Mittwoch, 30. November 2011

Das Pflücken ist des Backpackers Lust

Täglich um 4:45 Uhr klingelt der Wecker und wir quälen uns raus in die Kälte, schrubben Zähne und machen uns Müsli und Tee. Etwa eine Stunde später sitzen wir in unserem Van und tuckern in der Kolonne über zwei Kilometer Feldwege, während links von uns die Sonne hinter der Schafsherde aufgeht. Punkt sechs Uhr stehen wir an einem von geschätzten hunderdtausend Kirschbäumen und schnippen die ersten paar Kirschen des Tages in unseren umgeschnallten Korb. Für zwei dieser Körbe, die eine Kiste mit ca. 14 Kilo Kirschen füllen, bekommen wir elf Dollar. Und um einen angemessenen Stundenlohn von gut 20 Dollar zu erreichen, sollten wir jeweils vier dieser Körbe pro Stunde schaffen - sprich 28 Kilo Kirschen. Und das ist am Anfang gar nicht so leicht. Während wir uns noch abmühen, brechen erfahrene Pflücker auch mal locker mal 30 bis 40 Dollar die Stunde runter.

"14 Kilo Kirschen, bitte!"
Um 15 Uhr ist dann meistens Schluss - manchmal können wir bis 16 Uhr arbeiten, wenn wir wollen. Dann kehren 30 verschwitzte Pflücker auf den Campingplatz zurück, der schön gelegen ist und die Atmosphäre eines Festivals besitzt. Da auch die Pflücker der Nachbarfarm hier beheimatet sind, wohnen bestimmt 100 Leute zwischen Bäumen auf grünen Wiesen in Wohnmobilen, Wohnwägen, Campervan, Zelten und Autos. Nachmittags wird rumgesessen und je nach Wetter Bier oder Kaffee und Tee getrunken, Frisbee gespielt, Autos repariert oder ins 15 Kilometer entfernte Young gefahren. Bis es gegen 20 Uhr dunkel wird, hatten die meisten bereits ihr Abendessen und zwischen 21 und 22 Uhr gehen dann überall die Lichter aus. Theoretisch arbeiten wir sieben Tage die Woche, doch praktisch macht uns der Regen derzeit öfter einen Strich durch die Rechnung, was natürlich manchmal auch ganz gut tut. Doch dann werden bestimmte schon reife Sorten zerstört, wir haben weniger zu ernten und natürlich kommt kein Geld in die Taschen.

Die Farm, die uns anfangs vom Arbeitsamt vermittelt wurde, hatten wir schnell verlassen, als in einer der ersten Nächte unser alkoholsüchtigen Mitpflücker "out of control" waren. Wo wir jetzt sind, ist es wirklich super, denn zufälligerweise arbeiten auch ein paar alte Freunde aus Port Douglas hier und unser Boss ist eigentlich viel zu nett für einen Boss. Wenn alles gut geht, werden wir hier bis Ende Dezember durchackern..

Mittwoch, 16. November 2011

Grüße aus der Hauptstadt der Kirschen

Oh Mann, das ist so Australien-typisch: Ich glaub, wir sind durch noch keine Stadt - und war sie noch so klein - geheizt, die nicht irgendeine "Hauptstadt des Bla's" war, seien es Rinder, Country-Musik, Windmühlen, weiß der Teufel was. Und wenn sie keine Hauptstadt irgendeines Blödsinns sind, dann waren sie zumindest mal "sauberste Stadt", vor etlichen Jahren und wahrscheinlich im Umkreis von 3 Rinderfarmen. Ah, an eine von vorgestern kann ich mich doch erinnern, die war richtig klein und hat mit nichts geworben - außer auf dem zentralen Rodeo- und Sportplatz mit dem unheimlichen Schild: "Beef Exchange Market - 20th of August 2012". Was geht da? Da is also wirklich gar nix los in dem Kaff aber bald, also in fast einem Jahr, gibt's mal wieder ne Veranstaltung, und da kann man dann so mit seiner Family hinfahren und schön Rinderfleisch tauschen?

So war das so die letzten Tage, als wir von Maleny, Queensland 1300 Kilometer runter nach Young, New South Wales über die Hinterland-Routen gebraust sind. Und da sind wir jetzt, in Young, der australischen Hauptstadt der Kirschen. Klingt dick, is aber vielleicht zur Zeit sogar wahr, denn die Erntezeit beginnt grade und es wimmelt nur so von Kirschenverkaufsständen und arbeitswilligen Backpackern, Rentnern und Alkoholikern. Und wir sind mittendrin, und wir wollen mitmachen. Ich weiß, wir haben mal gesagt, kein Fruit-Picking in Australien, aber das Land ist teuer und unsere Daisy Komet schluckt auch ganz schön, wenn sie uns über tausende (bisher haben wir erst 5000) Kilometer durch's Land chauffiert. Also wollen wir hier jetzt schuften und reich werden, bevor wieder interessantere Dinge auf dem Plan stehen. Heute hatten wir schon unseren ersten Tag in der Plantage, von 6:30 - 14.30 Uhr als es zu dolle zu regnen begann. Aber grundlegend ist es eher sauheiß hier und wir müssen uns große doofe Hüte kaufen, um nicht im Sonnenlicht zu verbrennen.

Unser erstes Wwoofen, das wir fünf Wochen lang in dem Eco- und Permaculture-Village Crystal Waters, nahe Maleny, bei Scott gemacht haben, war auf jeden Fall eine super Erfahung und Zeit. Wwoofen, also 4-6 Stunden pro Tag für Unterkunft und Essen arbeiten, werden wir sicherlich noch öfter machen. Perfekt, um Land und Leute richtig kennenzulernen, neue Dinge zu lernen und nebenbei noch Geld zu sparen.

Trekker-Fahren für Anfänger in Crystal Waters
Für Vera war es vielleicht ein bisschen eintönig, da sie das Gästehaus managen sollte, das aber leider (fast) keine Gäste hatte. Deswegen war sie fast ausschließlich mit Malerarbeiten beschäftigt, neben soviel Kuchen, Kekse, Käse und Joghurt wie möglich herzustellen, um die Milch und Eier der Viecher aufzubrauchen. Ich hab hauptsächlich Webdesin-Zeug für Scott gemacht, der seit vielen Jahren sogenannte "Slide-Didges" baut und weltweit verkauft - praktisch High-Tech-Didgeridoos, deren Länge man während des Spielens variieren kann. Und sonst hab ich ein bisschen Farmer Joe gespielt, Holz gehackt und gestapelt, Rasen gemäht und Kühe von der Koppel getrieben. Wir hatten sogar Besuch von Pascal, unserem Kumpel aus Port Douglas, dem wir ein Wochenende lang die lokale Hippie-Kommune und die örtlichen Weingüter nähergebracht haben. Und sonst hatten wir auch immer supernette und interessante Leute um uns herum, die Spitzenbrot gebacken, Spitzenbier gebraut oder uns ihr Spitzen-Anwesen gezeigt haben.

Und so will ich schließen.. ja des wär's für heut - fast. Eigentlich sind wir ja ins 180 Kilometer entfernte Orange gefahren, um dort Kirschen zu ernten. Doch deren Klima ist ein bisschen milder und so dauert es bis zur Erntezeit noch 3-4 Wochen. Also sind wir gestern kurz entschlossen hier nach Young weitergefahren, mit der Hoffnung noch einen Job abzustauben. Denn die Kirschenernte ist sehr beliebt und eigentlich hätte man sich schon vor Wochen kümmern sollen. Aber das Glück der Chaoten lag mal wieder auf unserer Seite. Erster Stopp Touristeninformation, um zu fragen, wo das Arbeitsamt ist. Zweiter Stopp Arbeitsamt, um zu fragen, wie's denn aussieht. Dritter Stopp unser neue Arbeitgeber, an den wir nach nur fünf Minuten auf'm Amt vermittelt wurden. Wir waren entzückt und dachten an erbärmliche Vergleiche mit der deutschen ARGE.

Ach ja, dazu fällt mir ja noch was ein, sorry ;-) Hier gibt's ja Jobs eigentlich wie Sand am Meer, wenn man ein bisschen flexibel ist. Und gut bezahlt sind sie auch noch, vor allem, weil der Australische Dollar zum US-Dollar und dem Euro so stark wurde. Und die Wirtschaftskrise hat hier auch nicht eingeschlagen und es klingt eigentlich alles wunderbar. Zu Bedenken gilt aber, dass dieser Zustand hauptsächlich den riesigen Mineralvorkommen und dem krassen Boom Chinas, das so ziemlich alles abkauft, zu verdanken ist.

Das war's jetzt aber, Fotos kommen irgendwann später, da das Hinterland-Internet mal wieder nicht Rakete ist.