"Ja dann war ich jetzt im Februar, war ich im Urlaub in Australien - unter anderem auch in so nem Freakdorf, das heißt Nimbin. Das ist ein wunderschöner kleiner Ort. Man kommt dahin irgendwie, es riecht gleich ganz anders. Das ist ein ganz besonderer Ort. Bis 1973 war das ein ganz normales Farmerkaff irgendwo im australischen Kuhgürtel, so heißt das da. Und die National Country Party, das ist sowas wie die bayerische CSU, die hatten da über 70 Prozent der Wählerstimmen - absolute Mehrheit. Aber dann gab es da 1973 das sogenannte Aquarius Festival, das war sowas wie das Woodstock von Australien. Und da waren dann eine Woche lang 10.000 Hippies in dem Ort.
Ein paar von den Farmern haben dann sofort die Flucht ergriffen. Den Hippies hat’s dann da so gut gefallen, dass sie gesagt haben “hey eigentlich würden wir am liebsten hier bleiben.” Und es gab in der Zeit den glücklichen Umstand - also für die Hippies war’s glücklich, für die Farmer nicht so glücklich - dass die ganzen Farmprodukte ne fürchterliche Absatzkrise hatten. Es war praktisch unmöglich geworden ne Farm mit Gewinn zu bewirtschaften, deswegen konnte man da Land und Häuser und Wiesen und Flüsse und alles mögliche - Grundstücke eben - für ’n Appel und ‘n Ei erwerben. Die Hippies haben dann entweder ihre Konten geplündert - was noch drauf war - oder ihre letzten Drogenvorräte verkauft, und in ‘n Haus umgewandelt. Und innerhalb von einem Jahr hat sich dann die Bevölkerungsstruktur in diesem Ort total gewandelt.
Mittlerweile haben die Grünen die absolute Mehrheit im Stadtrat. Die National Country Party liegt irgendwo noch so bei 20 Prozent - das sind die Wählerstimmen von den Kühen. Die absolute Mehrheit von den Grünen hat einen ganz ganz besonderen Vorteil: Die bezahlen auch die Polizisten und deswegen kann man da eigentlich ganz in Ruhe ... so Urlaub machen. Jetzt so von außen betrachtet hat sich gar nicht so viel verändert, der Ort lebt nach wie vor vom Anbau und vom Verkauf von Agrarprodukten. Und man darf diese Agrarprodukte dann auch überall ungehemmt konsumieren. Der einzige Ort, wo man in Nimbin nicht darf, ist der Pub - die versuchen ihre Drogen getrennt zu halten - Paradies ist nirgends auf Erden, aber fast. Ist auch nicht so schlimm, insofern als man auf der Terasse vom Pub dann doch rauchen darf, und bei 350 Sonnentagen im Jahr ist das einigermaßen akzeptabel."
- Götz Widmann
Was gibt's da hinzu zufügen? Auf der Hauptstraße des Ortes, die mit all den bunten Geschäften eher wie ein Festival aussieht, haben wir eher Junkies als Hippies gesehen. Vielleicht wohnen die Hippies ja alle abseits der Durchgangsstraße und lassen sich eher selten blicken. Ins Auge stechen eher die fertigen Gestalten, die in den Parks, Pubs und auf den Bürgersteigen abhängen und einen alle paar Meter lang fragen, ob man nicht Lust hätte, ihre Heroinsucht zu finanzieren, indem man ihnen ein bisschen Gras abkauft. Die Atmosphäre war - zumindest am Tag unseres Besuches - eher unhippie.
Hier gibt's Fotos:
![]() |
| 2011.05 Nimbin |







