Dienstag, 24. Mai 2011

Hippies im Kuhgürtel

Während unseres Urlaubs in Byron Bay haben wir es uns nicht nehmen lassen, dem kleinen Hippie-Städtchen Nimbin - etwa 60 Kilometer inland - einen Besuch abzustatten. Der deutsche Liedermacher Götz Widmann war da auch schon mal und beschreibt es auf seinem Livealbum "Drogen" folgendermaßen:

"Ja dann war ich jetzt im Februar, war ich im Urlaub in Australien - unter anderem auch in so nem Freakdorf, das heißt Nimbin. Das ist ein wunderschöner kleiner Ort. Man kommt dahin irgendwie, es riecht gleich ganz anders. Das ist ein ganz besonderer Ort. Bis 1973 war das ein ganz normales Farmerkaff irgendwo im australischen Kuhgürtel, so heißt das da. Und die National Country Party, das ist sowas wie die bayerische CSU, die hatten da über 70 Prozent der Wählerstimmen - absolute Mehrheit. Aber dann gab es da 1973 das sogenannte Aquarius Festival, das war sowas wie das Woodstock von Australien. Und da waren dann eine Woche lang 10.000 Hippies in dem Ort.  
Ein paar von den Farmern haben dann sofort die Flucht ergriffen. Den Hippies hat’s dann da so gut gefallen, dass sie gesagt haben “hey eigentlich würden wir am liebsten hier bleiben.” Und es gab in der Zeit den glücklichen Umstand - also für die Hippies war’s glücklich, für die Farmer nicht so glücklich - dass die ganzen Farmprodukte ne fürchterliche Absatzkrise hatten. Es war praktisch unmöglich geworden ne Farm mit Gewinn zu bewirtschaften, deswegen konnte man da Land und Häuser und Wiesen und Flüsse und alles mögliche - Grundstücke eben - für ’n Appel und ‘n Ei erwerben. Die Hippies haben dann entweder ihre Konten geplündert - was noch drauf war - oder ihre letzten Drogenvorräte verkauft, und in ‘n Haus umgewandelt. Und innerhalb von einem Jahr hat sich dann die Bevölkerungsstruktur in diesem Ort total gewandelt.  
Mittlerweile haben die Grünen die absolute Mehrheit im Stadtrat. Die National Country Party liegt irgendwo noch so bei 20 Prozent - das sind die Wählerstimmen von den Kühen. Die absolute Mehrheit von den Grünen hat einen ganz ganz besonderen Vorteil: Die bezahlen auch die Polizisten und deswegen kann man da eigentlich ganz in Ruhe ... so Urlaub machen. Jetzt so von außen betrachtet hat sich gar nicht so viel verändert, der Ort lebt nach wie vor vom Anbau und vom Verkauf von Agrarprodukten. Und man darf diese Agrarprodukte dann auch überall ungehemmt konsumieren. Der einzige Ort, wo man in Nimbin nicht darf, ist der Pub - die versuchen ihre Drogen getrennt zu halten - Paradies ist nirgends auf Erden, aber fast. Ist auch nicht so schlimm, insofern als man auf der Terasse vom Pub dann doch rauchen darf, und bei 350 Sonnentagen im Jahr ist das einigermaßen akzeptabel."
- Götz Widmann

Was gibt's da hinzu zufügen? Auf der Hauptstraße des Ortes, die mit all den bunten Geschäften eher wie ein Festival aussieht, haben wir eher Junkies als Hippies gesehen. Vielleicht wohnen die Hippies ja alle abseits der Durchgangsstraße und lassen sich eher selten blicken. Ins Auge stechen eher die fertigen Gestalten, die in den Parks, Pubs und auf den Bürgersteigen abhängen und einen alle paar Meter lang fragen, ob man nicht Lust hätte, ihre Heroinsucht zu finanzieren, indem man ihnen ein bisschen Gras abkauft. Die Atmosphäre war - zumindest am Tag unseres Besuches - eher unhippie.

Hier gibt's Fotos:
2011.05 Nimbin

BB & B

BB wie Byron Bay:

Dort hatten wir eine Woche Heimat-in-der-Ferne-Urlaub mit zwei Freunden aus Deutschland. Für Dani war es der Abschluss ihres Jahres in Auckland, Neuseeland. Doris kam von Perth rüber geflogen, wo sie schon seit einigen Jahren lebt. Und wir sind mit dem Billigflieger von Melbourne aus hoch in die Sonne geflogen.
Byron Bays "Stadt"-Strand 
Von Byron Bay träumen scheinbar viele Australier - warum nicht einfach den Business Anzug an den Nagel hängen, nach Byron ziehen und jeden Tag auf dem Surfbrett beginnen? Das Kleinstädtchen liegt etwa zwei Autostunden südlich von Brisbane auf dem östlichstem Zipfel des australischen Festlandes und ist somit von viel Meer umgeben. Allerdings lässt die Beliebtheit auch die Touristenzahlen und Grundstückspreise in die Höhe schnellen.
Östlichster Punkt des australischen Festlandes
Unsere Unterkunft war ein winziges Vier-Bett-Zimmer in der Arts Factory Lodge, in der Vera schon vor zehn Jahren, als sie die Ostküste Australiens bereist hat, untergekommen ist. Ein nettes Plätzchen am Rand des Ortes, das wir uns mit gut 100 anderen Backpackern geteilt haben. Das Zimmer hat uns schon stolze 35 AUD pro Person und Nacht gekostet. Dazu musste noch für Decken, Töpfe, Pfannen und Tassen Pfand bezahlt werden, weil die Backpacker in Australien scheinbar klauen wie dir Raben.
Bucht von Lennox Head - südlich von Byron Bay
Das Wetter war tagsüber meist schön sonnig und wenigstens 20+ Grad warm, während in Melbourne gerade der Herbst mit viel Regen Einzug hielt. Sobald aber die Sonne unterging, wurde es doch sehr schattig und es halfen nur noch Jacken bzw. der Besuch von Bars mit Heizpilzen. In der Touri-Fleisch-Beschau-Location von Byron Bay war's auch nachts dann noch warm genug, dass sich die Kids aus aller Welt auf der Bühne auch ihres letzten Kleidungsstückes entledigten, um den 700 Dollar-Gutschein für eine Fraser-Island-Tour zu gewinnen.
Blick auf den Sonnenaufgang vom Leuchtturm aus
Eines der Highlights - neben meinem ersten ganz passablen Surfversuchs unter Doris Anleitung - war der Sonnenaufgang auf dem netten kleinen Leuchtturm von Byron Bay. Der liegt auf dem Hügel oberhalb des "Östlichsten Punktes des australischen Festlandes" und bietet somit einen 270 Grad-Rund-um-Blick auf das ruhige Meer, das mit dem Morgenlicht so langsam in Fahrt kommt. Da lohnt sich das Aufstehen mitten in der Nacht auf jeden Fall.



B wie Brisbane:

Nach Byron Bay waren Vera und ich noch über's Wochenende in Brisbane - Australiens drittgrößter Stadt und Hauptstadt von Queensland. Dort haben wir Tal besucht, den Vera vor 10 Jahren beim Backpacken in Thailand kennengelernt hat. Mit ihm, seiner Freundin Ziva und seiner Tochter Lia haben wir es uns in der sonnigen Metropole gut gehen lassen.
Blick auf Brisbane vom Mt. Coot-Tha aus
Von den Fluten Anfang des Jahres, die auch Brisbane erwischt hatten, hat man eigentlich nichts mehr gesehen, außer dass große Teile des damals überschwemmten Stadtstrandes am Brisbane-River immer noch Baustellen waren.


F wie Fotos:

2011.05 Byron Bay

2011.05 Brisbane