Letztes Wochenende haben wir Kristian in Geelong besucht. Der Kerl, den Vera vor sieben Jahren in Spanien kennengelernt und vor ein paar Wochen hier auf einem Konzert zufällig wieder getroffen hatte. Geelong liegt etwa eine Zugstunde südlich von Melbourne ebenfalls an der "Port Philip"-Bucht und ist mit seinen gut 200.000 Einwohnern schon die zweitgrößte Stadt des Staates Victoria.
Jaja so ist das und los ist da gar nix. Geelong hat einen langen Stadtstrand mit der typischen Promenade, einem Riesenrad und einem natürlichem Schwimmbecken - soll heißen, im Halbkreis angeordnete Gitterstäbe halten hungrige Haie fern von den Planschern. Die Stadt selbst lässt ein wirkliches Zentrum vermissen - Bars, Cafés und Geschäfte verteilen sich über ein paar ausgedehnte Straßenzüge. Laut Vera sieht Geelong wie jede australische Stadt aus, man merkt ihr einfach an, dass sie nicht allzu lange und vor allem nicht geplant gewachsen sind. Immergleiche rechtwinklig angelegte Straßen mit den immergleichen Fassaden, durchbrochen von Supermärkten und Fast-Food-Läden.
Und weil alles so weitläufig und das öffentliche Verkehrssystem nicht der Rede wert ist, fährt jeder in seinem Auto durch die Gegend und kann in "Drive-Through" Geschäften einkaufen. Coffee-to-go auf dem Weg zur Arbeit? Kein Problem, mal kurz in die Autoschlange beim Espresso-Café eingereiht und warten, bis der Kaffee durch's Fenster gereicht wird. Oder nach der Arbeit noch schnell Alkohol für abends kaufen? Einfach in den Garagen-ähnlichen "Bottleshops" reinfahren und sich von den Angestellten das Zeug vom Kühlschrank in den Kofferraum verfrachten lassen.
Man verlässt sein klimatisiertes Auto nicht, aber ohne Auto verlässt man auch sein Zuhause nicht. Die Wohngebiete erstrecken sich vom Zentrum aus kilometerweit ins Umland, hunderte von Straßen, tausende von einstöckigen Häusern - gebaut wird in die Breite, nicht wie bei uns in die Höhe. Und in diesen Wohnvierteln gibt es de facto nichts zu tun - Glück hat, wer eine Art Park in der Nähe hat. Nur mit dem Auto ist alles innerhalb von zehn Minuten zu erreichen. Supermärkte, Golfplätze, Kinderspielplätze, Kinos, et cetera pp.
Kristian hat natürlich auch ein Auto und so waren wir nicht an sein kleines Haus mit großem Fernseher gekettet, sondern haben uns mit ihm die Gegend angeschaut. Sind runter an die "richtige" Pazifikküste gefahren und haben uns die beiden Küstenstädtchen Anglesea und Torquay angeschaut. Hier beginnt auch die "Great Ocean Road", die sich 250 km die Küste entlang schlängelt und einen Haufen Sehenswürdigkeiten - unter anderem die "Zwölf Apostel" - zu bieten hat, aber das wird dann ein anderer Trip. Waren auf der Jagd nach Kängurus, haben sie aber nur faul im Schatten liegend entdeckt. Haben uns auf dem Golfplatz, besser gesagt der Driving Range, versucht, was bei Vera und mir ziemlich bescheuert aussah. Und haben uns Meat-Cakes zum Mittagessen geholt - gebackener Teig mit Fleischpampe gefüllt, vollendet durch Ketchup-Topping. Nicht meins, nicht ihrs, aber seins..
Samstag Abend waren wir dann noch in einem "Club" in Geelong, wo uns mal wieder ein interessantes Exempel australischer Kultur geboten wurde. Einlass nur mit ID, die beim Eintritt-bezahlen gescannt wird, um etwaige "Störenfriede" abzuschrecken bzw. identifizieren zu können. Die Location, eine Kellerbar mit angeschlossenem Tanz- und Konzertraum und latentem Kotze- und Schweißgeruch, aber die Mädels so aufgetackelt, als wär's ein Opernhaus - keine einzige ohne Absätze, nur wenige ohne Abendkleid. Während eine Schulball-typische Band Coverversionen aktueller Rockhits zum Besten gibt, passen uniformierte Angestellte des Clubs auf, dass niemand Gläser mit auf die Tanzfläche nimmt oder zu wild tanzt. Der Billardtisch wird Mitternacht abgedeckt, damit keiner mit den Kugeln um sich schmeißt oder sich den Queue ins Auge rammt???
Die Küste ist schön, die Stadt naja, dafür langweilig, schön war's trotzdem. Hier die Fotos: