Samstag, 24. Dezember 2011

Heiße Weihnachten

Fünf Wochen lang waren wir jetzt hier in Young am Kirschen pflücken und eigentlich wäre es noch ein paar so weiter gegangen, hätte der Regen nicht den Rest der Ernte zerstört. Ein bisschen unerwartet für alle hieß es vorgestern plötzlich: "Sorry guys, that's it, season is finished!"

Naja, jetzt feiern wir heute eben noch ein bisschen Weihnachten mit unseren netten Kollegen und brechen morgen auf, um ein paar Umwege zurück nach Melbourne zu erforschen. Grob überschlagen haben wir ca. 1,1 Millionen Kirschen gepflückt und haben jetzt am Ende wie immer zweigeteilte Gefühle. Einerseits freuen wir uns auf neue Abenteuer und andererseits sagen wir schon wieder "Tschüss" zu netten neuen Bekanntschaften.

Merry Christmas and a Happy New Year !
Hier in Australiens Sommer haben wir heiße Weihnachten mit 30 Grad und wünschen euch weiße Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012!

Wir denken an meinen lieben Onkel Hannes, dem es leider gar nicht gut geht, weil er seit vielen Monaten eine schwere Krankheit zu bekämpfen hat.

Mittwoch, 30. November 2011

Das Pflücken ist des Backpackers Lust

Täglich um 4:45 Uhr klingelt der Wecker und wir quälen uns raus in die Kälte, schrubben Zähne und machen uns Müsli und Tee. Etwa eine Stunde später sitzen wir in unserem Van und tuckern in der Kolonne über zwei Kilometer Feldwege, während links von uns die Sonne hinter der Schafsherde aufgeht. Punkt sechs Uhr stehen wir an einem von geschätzten hunderdtausend Kirschbäumen und schnippen die ersten paar Kirschen des Tages in unseren umgeschnallten Korb. Für zwei dieser Körbe, die eine Kiste mit ca. 14 Kilo Kirschen füllen, bekommen wir elf Dollar. Und um einen angemessenen Stundenlohn von gut 20 Dollar zu erreichen, sollten wir jeweils vier dieser Körbe pro Stunde schaffen - sprich 28 Kilo Kirschen. Und das ist am Anfang gar nicht so leicht. Während wir uns noch abmühen, brechen erfahrene Pflücker auch mal locker mal 30 bis 40 Dollar die Stunde runter.

"14 Kilo Kirschen, bitte!"
Um 15 Uhr ist dann meistens Schluss - manchmal können wir bis 16 Uhr arbeiten, wenn wir wollen. Dann kehren 30 verschwitzte Pflücker auf den Campingplatz zurück, der schön gelegen ist und die Atmosphäre eines Festivals besitzt. Da auch die Pflücker der Nachbarfarm hier beheimatet sind, wohnen bestimmt 100 Leute zwischen Bäumen auf grünen Wiesen in Wohnmobilen, Wohnwägen, Campervan, Zelten und Autos. Nachmittags wird rumgesessen und je nach Wetter Bier oder Kaffee und Tee getrunken, Frisbee gespielt, Autos repariert oder ins 15 Kilometer entfernte Young gefahren. Bis es gegen 20 Uhr dunkel wird, hatten die meisten bereits ihr Abendessen und zwischen 21 und 22 Uhr gehen dann überall die Lichter aus. Theoretisch arbeiten wir sieben Tage die Woche, doch praktisch macht uns der Regen derzeit öfter einen Strich durch die Rechnung, was natürlich manchmal auch ganz gut tut. Doch dann werden bestimmte schon reife Sorten zerstört, wir haben weniger zu ernten und natürlich kommt kein Geld in die Taschen.

Die Farm, die uns anfangs vom Arbeitsamt vermittelt wurde, hatten wir schnell verlassen, als in einer der ersten Nächte unser alkoholsüchtigen Mitpflücker "out of control" waren. Wo wir jetzt sind, ist es wirklich super, denn zufälligerweise arbeiten auch ein paar alte Freunde aus Port Douglas hier und unser Boss ist eigentlich viel zu nett für einen Boss. Wenn alles gut geht, werden wir hier bis Ende Dezember durchackern..

Mittwoch, 16. November 2011

Grüße aus der Hauptstadt der Kirschen

Oh Mann, das ist so Australien-typisch: Ich glaub, wir sind durch noch keine Stadt - und war sie noch so klein - geheizt, die nicht irgendeine "Hauptstadt des Bla's" war, seien es Rinder, Country-Musik, Windmühlen, weiß der Teufel was. Und wenn sie keine Hauptstadt irgendeines Blödsinns sind, dann waren sie zumindest mal "sauberste Stadt", vor etlichen Jahren und wahrscheinlich im Umkreis von 3 Rinderfarmen. Ah, an eine von vorgestern kann ich mich doch erinnern, die war richtig klein und hat mit nichts geworben - außer auf dem zentralen Rodeo- und Sportplatz mit dem unheimlichen Schild: "Beef Exchange Market - 20th of August 2012". Was geht da? Da is also wirklich gar nix los in dem Kaff aber bald, also in fast einem Jahr, gibt's mal wieder ne Veranstaltung, und da kann man dann so mit seiner Family hinfahren und schön Rinderfleisch tauschen?

So war das so die letzten Tage, als wir von Maleny, Queensland 1300 Kilometer runter nach Young, New South Wales über die Hinterland-Routen gebraust sind. Und da sind wir jetzt, in Young, der australischen Hauptstadt der Kirschen. Klingt dick, is aber vielleicht zur Zeit sogar wahr, denn die Erntezeit beginnt grade und es wimmelt nur so von Kirschenverkaufsständen und arbeitswilligen Backpackern, Rentnern und Alkoholikern. Und wir sind mittendrin, und wir wollen mitmachen. Ich weiß, wir haben mal gesagt, kein Fruit-Picking in Australien, aber das Land ist teuer und unsere Daisy Komet schluckt auch ganz schön, wenn sie uns über tausende (bisher haben wir erst 5000) Kilometer durch's Land chauffiert. Also wollen wir hier jetzt schuften und reich werden, bevor wieder interessantere Dinge auf dem Plan stehen. Heute hatten wir schon unseren ersten Tag in der Plantage, von 6:30 - 14.30 Uhr als es zu dolle zu regnen begann. Aber grundlegend ist es eher sauheiß hier und wir müssen uns große doofe Hüte kaufen, um nicht im Sonnenlicht zu verbrennen.

Unser erstes Wwoofen, das wir fünf Wochen lang in dem Eco- und Permaculture-Village Crystal Waters, nahe Maleny, bei Scott gemacht haben, war auf jeden Fall eine super Erfahung und Zeit. Wwoofen, also 4-6 Stunden pro Tag für Unterkunft und Essen arbeiten, werden wir sicherlich noch öfter machen. Perfekt, um Land und Leute richtig kennenzulernen, neue Dinge zu lernen und nebenbei noch Geld zu sparen.

Trekker-Fahren für Anfänger in Crystal Waters
Für Vera war es vielleicht ein bisschen eintönig, da sie das Gästehaus managen sollte, das aber leider (fast) keine Gäste hatte. Deswegen war sie fast ausschließlich mit Malerarbeiten beschäftigt, neben soviel Kuchen, Kekse, Käse und Joghurt wie möglich herzustellen, um die Milch und Eier der Viecher aufzubrauchen. Ich hab hauptsächlich Webdesin-Zeug für Scott gemacht, der seit vielen Jahren sogenannte "Slide-Didges" baut und weltweit verkauft - praktisch High-Tech-Didgeridoos, deren Länge man während des Spielens variieren kann. Und sonst hab ich ein bisschen Farmer Joe gespielt, Holz gehackt und gestapelt, Rasen gemäht und Kühe von der Koppel getrieben. Wir hatten sogar Besuch von Pascal, unserem Kumpel aus Port Douglas, dem wir ein Wochenende lang die lokale Hippie-Kommune und die örtlichen Weingüter nähergebracht haben. Und sonst hatten wir auch immer supernette und interessante Leute um uns herum, die Spitzenbrot gebacken, Spitzenbier gebraut oder uns ihr Spitzen-Anwesen gezeigt haben.

Und so will ich schließen.. ja des wär's für heut - fast. Eigentlich sind wir ja ins 180 Kilometer entfernte Orange gefahren, um dort Kirschen zu ernten. Doch deren Klima ist ein bisschen milder und so dauert es bis zur Erntezeit noch 3-4 Wochen. Also sind wir gestern kurz entschlossen hier nach Young weitergefahren, mit der Hoffnung noch einen Job abzustauben. Denn die Kirschenernte ist sehr beliebt und eigentlich hätte man sich schon vor Wochen kümmern sollen. Aber das Glück der Chaoten lag mal wieder auf unserer Seite. Erster Stopp Touristeninformation, um zu fragen, wo das Arbeitsamt ist. Zweiter Stopp Arbeitsamt, um zu fragen, wie's denn aussieht. Dritter Stopp unser neue Arbeitgeber, an den wir nach nur fünf Minuten auf'm Amt vermittelt wurden. Wir waren entzückt und dachten an erbärmliche Vergleiche mit der deutschen ARGE.

Ach ja, dazu fällt mir ja noch was ein, sorry ;-) Hier gibt's ja Jobs eigentlich wie Sand am Meer, wenn man ein bisschen flexibel ist. Und gut bezahlt sind sie auch noch, vor allem, weil der Australische Dollar zum US-Dollar und dem Euro so stark wurde. Und die Wirtschaftskrise hat hier auch nicht eingeschlagen und es klingt eigentlich alles wunderbar. Zu Bedenken gilt aber, dass dieser Zustand hauptsächlich den riesigen Mineralvorkommen und dem krassen Boom Chinas, das so ziemlich alles abkauft, zu verdanken ist.

Das war's jetzt aber, Fotos kommen irgendwann später, da das Hinterland-Internet mal wieder nicht Rakete ist.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Happy Birthday to Bambam

Alles Liebe zum Geburtstag an meinen Schatz! Wir sind gerade nach Maleny gefahren, um ein bisschen Zivilisation zu schnuppern, Geburtstagskuchen zu essen und das Internet zu checken. Crystal Waters, wo wir gerade wwoofen (willing workers on organic farms), ist etwa 20 Kilometer von hier mitten in der Pampa. Ein sogenanntes Eco- und Permaculture-Village, in dem es 200 Grundstücke mit ganz viel Natur außen rum gibt. Zwar sind wir dort natürlich auch mit Strom, Wasser, Internet und all dem Kram ausgestattet, aber Cafés und Geschäfte gibt es keine. Maleny, eigentlich auch ein kleines Städtchen, ist deshalb gerade unsere nächste Zivilisation.

Geburtstagskind liest Geburtstagspost

Das wwoofen in Crystal Waters ist super. Die ersten drei Tage waren wir bei Merv, haben in einer kleinen Gästehütte gewohnt und diese dafür entrümpelt und hergerichtet. Und seit Montag sind wir bei Scott im 'Waterbreath Eco Retreat Center' (http://www.waterbreath.com/) und arbeiten auf dem riesigen Grundstück. Um's Gästehaus kümmern, Haus streichen, Holz hacken, Sachen pflanzen, Tiere füttern - es gibt immer viel zu tun und es tut gut, solchen Sachen inmitten einer atemberaubenden Natur nachzugehen. Unmengen von bunten Vögeln, Papageien, Kängurus und Wallabies (kleinere Kängurus) huschen ständig um uns herum und lassen sich nicht wirklich von unserer Anwesenheit stören. Dasselbe gilt allerdings auch für Schlangen und größere Spinnen, die man hier doch öfter mal sieht und woran wir uns erstmal gewöhnen müssen. Das einzig wirklich nervige sind die vielen Zecken, die uns hier schon öfter angefallen haben.

Es ist, wie gesagt, eine wunderschöne Landschaft und eine interessante Community hier, die wir in den nächsten Wochen weiter kennenlernen werden - wir sind gespannt!

Freitag, 30. September 2011

Mit Daisy (Disco) Komet Queenslands Küste runter

Nachdem wir unsere Daisy die 300 Kilometer von Cooktown zurück nach Port Douglas gefahren hatten, sind wir noch ein paar Tage im Dougies Backpackers in Port Douglas geblieben, um all unsere Sachen möglichst intelligent in die kleine Daisy zu packen und um uns von all unseren Freunden dort zu verabschieden. Seit dem 19. September sind wir jetzt "on the road" und folgen Queenslands Küste gen Süden. Unsere Pläne haben sich ja mal wieder geändert: Wegen der Regenzeit im Norden Australiens, sind wir jetzt erst mal auf dem Weg Richtung Tasmanien - also wieder zurück nach Melbourne, von wo die "Spirit of Tasmania" ablegt.

Nach gut zehn Tagen sind wir mittlerweile kurz vor Brisbane und haben die Daisy Komet satte 2000 Kilometer weit chauffiert. Die Kleine läuft gut, wenn auch nur 90-100 km/h schnell - sie hat schon auch 120 drauf, schluckt dann aber mehr als Australier an Sonntagnachmittagen <- Gassenhauer! Aber auf Australiens Straßen darf sowieso nur 100 - selten 110 - Stundenkilometer gefahren werden, was allerdings niemanden - auch die dicken Roadtrains nicht - davon abhält, uns zu überholen. Nur beim Anlassen zickt sie manchmal ein bisschen, das werden wir aber bald mal in der Werkstatt klären lassen.

Daisy Komet hat uns bisher von Cooktown bis nach Maleny gebracht

Es macht auf jeden Fall Spaß, ein rollendes Zuhause zu haben, und so das Land zu erkunden. Ihr ursprünglicher Besitzer hat sie "Daisy" getauft, wir haben das "Komet" drangehängt - und seit wir das Soundsystem wieder auf Vordermann gebracht haben, hat sie sich auch den Zusatz "Disco" verdient. Wenn wir abends auf einem der freien Campingplätze ankommen, richten wir kurz unser Bett her, kochen, essen und gehen relativ früh schlafen. Morgens, wenn die Sonne uns aufwacht, klappen wir die Rückbank wieder hoch, stellen unsere drei Boxen zurück, machen uns auf den Weg und sind gespannt, wo wir heute Nacht wohl schlafen (können). Gerade sind wir in einem kleinen Städtchen namens Maleny, das idyllisch in den grünen Hügeln nördlich von Brisbane liegt und einen ziemlich alternativen Touch hat.

Hier noch ein paar Fotos von unserem bisherigen Roadtrip - leider nur mit Handykamera, da unsere Digicam ihren Geist aufgegeben hat. Bisher sind wir immer ziemlich nah an der Küste geblieben und haben meist in kleinen Ortschaften übernachtet, weil dort eher freie Campingplätze zu finden sind. Zwischendurch haben wir uns angeschaut, was uns vom Hörensagen interessiert hat:

2011.09 Queensland Roadtrip

Sonntag, 18. September 2011

Wir haben einen Van!

Da denkt man sich nichts weiter, bricht mit zwei Freunden zu einem 2-Tages-Trip nach Cooktown auf und kommt in seinem eigenen Van wieder nach Port Douglas zurück.. Jetzt sind wir glückliche und stolze Besitzer eines gelben 1986er Toyota LiteAce Vans, den seine Vorbesitzer 'Daisy' getauft haben.

Cooktown ist die nördlichste Stadt an Australiens Ostküste und etwa 3,5 Autostunden von Port Douglas entfernt. Manche halten sie für die erste europäische Ansiedlung in Australien, weil James Cook hier 1770 landete, um seine am 'Cape Tribulation' beschädigte 'Endeavour' zu reparieren. Heutzutage ist eine ziemlich abgeschiedene Kleinstadt mit etwa 1300 Einwohnern, deren zwei Pubs unter Woche um 22 Uhr schließen, weil so wenig los ist. Aber natürlich ist sie wunderschön an der Mündung des 'Endeavour'-Flusses gelegen und lässt sich vom Leuchtturm auf dem 'Grassy Hill' atemberaubend überblicken.

Der Weg nach Cooktown war wohl unser erster Vorgeschmack auf zukünftige Touren um den Kontinent und durch das Outback. Nachdem die grünen Hügel um Port Douglas überwunden waren, wurde es immer kahler, trockener und heißer. Die Steppenlandschaft - zum Teil noch verkohlt vom letzten Buschfeuer - wird immer mal wieder von Farmen, Aborigine-Siedlungen und Roadhouses (Tankstellen mit Pub und Campingplatz) unterbrochen, ansonsten bleibt die Straße gerade und die Umgebung gleich. Und der Sand beginnt schon langsam rot zu werden, wohl aber noch nichts im Vergleich zum richtigen Outback.

Es war ein netter kleiner Ausflug, vor allem aber ein so glücklicher Zufall, dass wir über unser neues rollendes Heim gestolpert sind. Und mit dem brechen wir morgen in Richtung Süden auf, unser Roatrip beginnt! Unsere Pläne haben sich mal wieder geändert: Wegen dem heißen Wetter und der Regenzeit im Norden gehen wir erstmal wieder nach Süden und wollen uns Tasmanien anschauen.


Hier noch Bilder aus Cooktown, am Ende sieht man unseren Van:
2011.09 Cooktown

Dienstag, 6. September 2011

Happy Birthday to me

Wie es aussieht, werden wir uns in ca. einer Woche von Port Douglas verabschieden. Dann waren wir insgesamt drei Monate hier, die wir komplett in Zelten wohnend verbracht haben. Es war und ist immer noch wunderschön hier, aber es wird einfach Zeit für uns, weiter zu ziehen. Noch haben wir keine genauen Pläne, weil wir erstmal klären müssen, ob Vera ihr zweites Jahresvisum bekommt, und, ob wir uns in Cairns ein Auto kaufen oder nicht. Aber es wird dann wohl Richtung Northern Territory gehen, dem "wahren Australien", das vielen Bewohnern dieses Kontinents ein wenig unheimlich ist, weil die übernommene amerikanische Kultur die Natur dort noch nicht besiegt hat.

Gestern zu meinem Geburtstag haben wir endlich unseren Tauchtrip auf's Great Barrier Reef gemacht. Es war zwar nicht all zu sonnig und ziemlich windig und rau, aber wir hatten einen super Tag unter Wasser. Vor allem, weil unser Kumpel Rob hier gerade als Tauchlehrer arbeitet und unser privater Tauch-Guide sein konnte - inklusive Unterwasserkamera. Pascal war auch mit an Bord und so hatten wir eine nette kleine Gruppe auf einem zum Glück relativ leeren Boot, der Poseidon. Man fährt etwa 1,5 bis 2 Stunden, bis man das eigentliche Riff erreicht, hat dann vormittags zwei Tauchgänge, Mittagessen, einen weiteren Tauchgang am Nachmittag und ist gegen 16 Uhr wieder zurück in der Marina. Das Highlight des Trips waren drei 'White Tip Reef Sharks' und zwei Riesenschildkröten, die wir aus der Nähe bestaunen konnten. Ansonsten waren wir beide der Meinung, dass das Great Barrier Reef ein bisschen überbewertet ist. Es wird einfach täglich von Hunderten Leuten besucht, was den Korallen bestimmt nicht allzu gut tut. Ich hab auch ein kleines Video unter Wasser aufgenommen, nichts besonderes, aber es vermittelt einen Eindruck:


Nach dem Tauchen haben wir uns mit Freunden noch in den Parks und Bars der Stadt rumgetrieben und meinen Geburtstag gefeiert - es war auf jeden Fall ein guter :-)

Außer den Fotos vom Great Barrier Reef gibt's noch Bildmaterial von unserem Tag mit dem 'Mini Moke'. Ein kleiner Jeep, der ursprünglich von derselben Firma, wie der 'Mini', hergestellt wurde, sich nie richtig gut verkaufen konnte, aber einen gewissen Kultstatus erreicht hat. Dank Rob haben wir in den letzten Wochen zweimal beim Trivia abgeräumt und einen Haufen Gutscheine gewonnen, unter anderem für den Spielzeug-Jeep. Und als Rob's Freundin Gemma für ein paar Tage aus Melbourne auf Besuch kam, haben wir jeden Winkel der Stadt abgefahren, weil man das langsame Gefährt nicht auf dem Highway fahren darf.

Weitere Fotos gibt's vom Segeltrip nach Low Island, eine Mini-Insel vor der Küste Port Douglas'. Da war nur ich unterwegs, weil es eigentlich Arbeit war. Zum Schrubben der Unterseite der Segelyacht 'Marcrista' brauchten wir ruhiges und klares Gewässer. Mark und ich haben dort tauchend und schnorchelnd den ganzen Tag Muscheln und Algen mit Hochdruckstrahler, Schaber und Bürste entfernt. Sauanstrengend, aber wann macht man sowas sonst schon mal und noch dazu in wunderschöner Umgebung?!

2011.09 Port Douglas: Great Barrier Reef

2011.08 Port Douglas: Mini Moke Day

2011.08 Port Douglas: Sail to Low Island

Mittwoch, 17. August 2011

Das Kap des Trübsals und der abgefahrene Vogel

Vor ein paar Wochen haben wir mit der ganzen Arbeit hier auch mal einen anständigen Ausflug hinbekommen. Zu sechst haben wir uns eine Familienkutsche für zwei Tage gemietet und sind in Richtung Cape Tribulation und Mossman Gorge aufgebrochen. Das Kap des Trübsals liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Port Douglas und hat seinen bescheuerten Namen von James Cook bekommen, dessen Schiff dort im 18. Jahrhundert auf Grund lief und mühselig wieder repariert werden musste. Heutzutage ist das Kap berühmt, weil dort Regenwald und Great Barrier Reef unmittelbar aufeinander treffen.

Unterwegs waren wir mit dem französischen Pärchen Mickael und Maud, deren einheimischen Freund Napari und unserem gemeinsamen französisch-kanadischen Freund Pascal. Und dank Napari, der sich in der Gegend bestens auskennt, durften wir auch ein paar nette Flecken abseits der Hauptroute genießen. Zum Beispiel das "Blue Hole" mitten im Regenwald, dessen glasklares blaues Wasser wir uns mit Schildkröten geteilt haben. Übernachtet haben wir am menschenleeren "Thornton"-Strand, wo es unter sternenklarem Himmel gegrilltes Känguru und am nächsten Morgen einen wunderschönen Sonnenaufgang zum Frühstück gab. Auf dem Rückweg haben wir die Schlucht in Mossman, dem Nachbarort von Port Douglas, bewandert und uns erneut in glasklares kühles Wasser gestürzt. Und wir konnten einen der abgefahrenen Cassowaries bewundern, ein Strauß-ähnlicher australischer Vogel, der ständig metallisch glänzende Hühnerei-große Samen frisst und wieder ausscheidet, woraus neue Cassowary-Bäume entstehen.


Massenhaft Fotos von unserem Ausflug gibt's hier:
2011.07 Cape Tribulation & Mossman Gorge

Unser Refugium

Zur Abwechslung mal ein paar Videos.. Das ist unser beliebtester Platz hier im kleinen aber feinen Port Douglas. Angrenzend an den ANAZC-Park, wo jeden Sonntag Markt ist und fast täglich in der kleinen "St. Mary's by the Sea"-Kapelle geheiratet wird, befindet sich ein weiterer kleiner Park mit 270-Grad-Ausblick auf den Ozean. Eingerahmt von Palmen versprüht dieses Fleckchen so eine Schönheit und Friedlichkeit, dass wir eigentlich selten am vier Meilen langen Strand auf der anderen Seite des Ortes sind.


Besonders abends zum Sonnenuntergang versammeln sich hier Locals und Touristen und genießen das tägliche Spektakel bei Picknick und einer Flasche Wein. Hier lässt es sich auf jeden Fall super entspannen!



Und hier noch ein paar Impressionen von Port Douglas und unserem Zuhause seit zwei Monaten - dem "Dougies Backpacker Resort":

2011.06-09 Port Douglas

2011.06-09 Port Douglas: Dougies Backpackers

Donnerstag, 14. Juli 2011

Port Douglas - Stand der Dinge

Sorry, dass wir uns jetzt länger nicht mehr gemeldet haben, aber die ersten Wochen hier in Port Douglas waren gefüllt mit Arbeits-, Wohnungs- und Freundesuche ;-) Eingelebt haben wir uns mittlerweile auf jeden Fall, aber der Stand der Dinge könnte noch ein bisschen besser sein. Vera arbeitet seit zwei Wochen im Sheraton Mirage Ressort und ist dort für Frühstück und Mittagessen zuständig. Der Job bringt gutes Geld, aber auch sehr frühes Aufstehen, mit sich. Ich habe jetzt zwei Wochen im Dougies Backpackers, wo wir immer noch wohnen, gearbeitet und nebenher noch ein paar andere Jobs auf Baustellen und Booten gemacht. Und eigentlich sollte ich seit dieser Woche helfen, einen Katamaran im Nachbarort Mossman fertigzubauen, doch das hat leider in letzter Minute doch nicht geklappt. Das wär der Hit gewesen, aber jetzt muss ich mich wieder nach etwas anderem umschauen :-(

Naja, deswegen klappt's jetzt mit Wohnung auch nicht und wir bleiben erstmal in unserem Zelt hier im Dougies Backpackers wohnen, wofür wir doppelt so viel blechen wie für unser Zimmer in Melbourne.. aber wenigstens haben wir viele nette Leute hier und schließlich ist sowieso 'no worries' angesagt. Mal sehen, was die nächsten Tage so jobmäßig bringen.

Port Douglas Sunset
Auf Port Douglas sind wir ja gekommen, weil so viele Leute in Melbourne davon geschwärmt haben. Und es ist wirklich ein sehr schönes Fleckchen Erde! Früher mal Fischerdörfchen, mittlerweile voll mit Ressorts - bestimmt 20 oder 30 Stück -, in denen es sich Betuchte, Stars und Sternchen gut gehen lassen. Da sich der 1000-Seelen-Ort aber über die ganze Länge des Four-Mile-Beaches (also etwa sechs Kilometer) erstreckt, bleibt eine relaxte Atomsphäre unter Palmen.

Das Zentrum des Ortes, das an der Spitze der Landzunge liegt, ist ziemlich überschaubar. Es gibt eine Einkaufs-/Flaniermeile, jeden Sonntag ist Markt im angrenzenden Anzac-Park (dann fährt auch die kleine Dampfeisenbahn durch den Ort). Die Marina beherbergt ein paar weitere Restaurants und die Segelyachten und Ausflugsboote für's Great Barrier Reef und der Yachtclub eins weiter bietet jeden Mittwoch freies Sonnenuntergangs-Segeln an. Den Rest des Ortes machen die Ressorts, Golf- und Tennisplätze und privaten Häuser der Locals aus. Das Fahrrad ist hier das Fortbewegungsmittel der Wahl, vor allem weil sich auch der harte Sand des Four-Mile-Beaches wunderbar als Radlweg eignet. Schön ist's..


Fotos gibt's beim nächsten Mal, das Internet hier in Far North Queensland ist nicht unbedingt das schnellste der Welt..

Samstag, 18. Juni 2011

Ab in den Norden, der Sonne hinterher..

Scheinbar hat es das letzte Mal vor 20 Jahren ein chilenischer Vulkan geschafft, seine Asche bis rüber nach Australien zu blasen und den Flugverkehr hier einzuschränken. Aber, wie gesagt, wir hatten Glück, dass unser Flieger in all dem Chaos ganz normal und pünktlich die 3000 Kilometer-Reise ins tropische Cairns angetreten hat.

Und da sind wir jetzt: In Australiens Tropen, fast an der Nord-Ost-Spitze des Landes, im Bundesstaat Queensland. Hier beschränken sich die Jahreszeiten auf Regen- und Trockenzeit und die Temperaturen bleiben das Jahr über relativ konstant warm. Es ist ein guter Zeitpunkt, hier zu sein, denn die nächsten drei Monate bleibt es trocken, es gibt nicht sehr viele Moskitos und die giftigen Quallen-Schwärme kommen auch erst mit dem Regen wieder. Nur auf die Krokodile sollte man das ganze Jahr über aufpassen ;-)

Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die vor dem kalten Wetter im Süden flüchten - Queensland ist voll mit internationalen und australischen Touristen. Und scheinbar ist jeder - wie wir auch - auf Arbeitssuche. Mal sehen, wie das läuft, denn wegen der Fluten Anfang des Jahres fallen viele Ernten aus und die sonst in Hülle und Fülle vorhandene Saison-Arbeits-Stellen werden knapp.

Hier im schönen Kleinstädtchen Port Douglas, das 60 Kilometer nördlich von Cairns liegt, müssen wir uns jetzt auf jeden Fall erst mal um Arbeit kümmern.


Noch ein paar Bilder aus Cairns, wo wir noch zwei, drei Tage verbracht haben, bevor wir weiter hoch nach Port Douglas sind:

2011.06 Cairns

Sonntag, 12. Juni 2011

Montag, der 13. Juni

Ein bedeutender Tag..

..für die Deutschen, weil Pfingstmontag und somit Feiertag ist.

..für die Australier, weil auch sie einen Feiertag haben. Allerdings feiern sie den Geburtstag der Queen, der eigentlich am 21. April ist. Egal, Hauptsache langes Wochenende!

..für die australischen Skilift-Betreiber, die offiziell die Skisaison eröffnen.

..für Phil und Brenda Archer, deren Haus nahe Auckland (Neuseeland) an diesem Tag im Jahr 2004 von einem 4 Kilogramm schweren Meteoriten getroffen wird, der das Dach und eine Couch beschädigt.

..für uns, weil es unser vorerst letzter Tag in Melbourne ist und wir abends in die australischen Tropen fliegen, wo wir die nächsten Monate verbringen wollen.

Die kalten Melbourner Wintertage wollen wir uns sparen, weil sie zwar meist wie schöne deutsche Herbsttage sind, es sich in den schlecht isolierten Häusern aber nur mit Heizung im Dauerbetrieb aushalten lässt. Und weil Vera ihren Caféjob vor zwei Wochen aufgegeben hat und meine Nierensteine seit Byron Bay nicht mehr so rumzicken, sind wir free to go!

Und so haben wir das verhältnismäßig warme Wetter der letzten beiden Wochen genutzt und waren viel mit unseren Melbourner Leuten unterwegs, denen wir für die nächsten Monate erstmal "Goodbye" sagen. Aber wir freuen uns natürlich auf neue Abenteuer, auf 27 Grad, auf Wohnen am Meer, auf Wohnen in den Tropen, auf .. wir sind gespannt.


Noch ein paar Fotos der letzten Wochen:

2011.05 Melbourne: Biketour to Abbotsford

2011-05 Melbourne: Fox Collection

Dienstag, 24. Mai 2011

Hippies im Kuhgürtel

Während unseres Urlaubs in Byron Bay haben wir es uns nicht nehmen lassen, dem kleinen Hippie-Städtchen Nimbin - etwa 60 Kilometer inland - einen Besuch abzustatten. Der deutsche Liedermacher Götz Widmann war da auch schon mal und beschreibt es auf seinem Livealbum "Drogen" folgendermaßen:

"Ja dann war ich jetzt im Februar, war ich im Urlaub in Australien - unter anderem auch in so nem Freakdorf, das heißt Nimbin. Das ist ein wunderschöner kleiner Ort. Man kommt dahin irgendwie, es riecht gleich ganz anders. Das ist ein ganz besonderer Ort. Bis 1973 war das ein ganz normales Farmerkaff irgendwo im australischen Kuhgürtel, so heißt das da. Und die National Country Party, das ist sowas wie die bayerische CSU, die hatten da über 70 Prozent der Wählerstimmen - absolute Mehrheit. Aber dann gab es da 1973 das sogenannte Aquarius Festival, das war sowas wie das Woodstock von Australien. Und da waren dann eine Woche lang 10.000 Hippies in dem Ort.  
Ein paar von den Farmern haben dann sofort die Flucht ergriffen. Den Hippies hat’s dann da so gut gefallen, dass sie gesagt haben “hey eigentlich würden wir am liebsten hier bleiben.” Und es gab in der Zeit den glücklichen Umstand - also für die Hippies war’s glücklich, für die Farmer nicht so glücklich - dass die ganzen Farmprodukte ne fürchterliche Absatzkrise hatten. Es war praktisch unmöglich geworden ne Farm mit Gewinn zu bewirtschaften, deswegen konnte man da Land und Häuser und Wiesen und Flüsse und alles mögliche - Grundstücke eben - für ’n Appel und ‘n Ei erwerben. Die Hippies haben dann entweder ihre Konten geplündert - was noch drauf war - oder ihre letzten Drogenvorräte verkauft, und in ‘n Haus umgewandelt. Und innerhalb von einem Jahr hat sich dann die Bevölkerungsstruktur in diesem Ort total gewandelt.  
Mittlerweile haben die Grünen die absolute Mehrheit im Stadtrat. Die National Country Party liegt irgendwo noch so bei 20 Prozent - das sind die Wählerstimmen von den Kühen. Die absolute Mehrheit von den Grünen hat einen ganz ganz besonderen Vorteil: Die bezahlen auch die Polizisten und deswegen kann man da eigentlich ganz in Ruhe ... so Urlaub machen. Jetzt so von außen betrachtet hat sich gar nicht so viel verändert, der Ort lebt nach wie vor vom Anbau und vom Verkauf von Agrarprodukten. Und man darf diese Agrarprodukte dann auch überall ungehemmt konsumieren. Der einzige Ort, wo man in Nimbin nicht darf, ist der Pub - die versuchen ihre Drogen getrennt zu halten - Paradies ist nirgends auf Erden, aber fast. Ist auch nicht so schlimm, insofern als man auf der Terasse vom Pub dann doch rauchen darf, und bei 350 Sonnentagen im Jahr ist das einigermaßen akzeptabel."
- Götz Widmann

Was gibt's da hinzu zufügen? Auf der Hauptstraße des Ortes, die mit all den bunten Geschäften eher wie ein Festival aussieht, haben wir eher Junkies als Hippies gesehen. Vielleicht wohnen die Hippies ja alle abseits der Durchgangsstraße und lassen sich eher selten blicken. Ins Auge stechen eher die fertigen Gestalten, die in den Parks, Pubs und auf den Bürgersteigen abhängen und einen alle paar Meter lang fragen, ob man nicht Lust hätte, ihre Heroinsucht zu finanzieren, indem man ihnen ein bisschen Gras abkauft. Die Atmosphäre war - zumindest am Tag unseres Besuches - eher unhippie.

Hier gibt's Fotos:
2011.05 Nimbin

BB & B

BB wie Byron Bay:

Dort hatten wir eine Woche Heimat-in-der-Ferne-Urlaub mit zwei Freunden aus Deutschland. Für Dani war es der Abschluss ihres Jahres in Auckland, Neuseeland. Doris kam von Perth rüber geflogen, wo sie schon seit einigen Jahren lebt. Und wir sind mit dem Billigflieger von Melbourne aus hoch in die Sonne geflogen.
Byron Bays "Stadt"-Strand 
Von Byron Bay träumen scheinbar viele Australier - warum nicht einfach den Business Anzug an den Nagel hängen, nach Byron ziehen und jeden Tag auf dem Surfbrett beginnen? Das Kleinstädtchen liegt etwa zwei Autostunden südlich von Brisbane auf dem östlichstem Zipfel des australischen Festlandes und ist somit von viel Meer umgeben. Allerdings lässt die Beliebtheit auch die Touristenzahlen und Grundstückspreise in die Höhe schnellen.
Östlichster Punkt des australischen Festlandes
Unsere Unterkunft war ein winziges Vier-Bett-Zimmer in der Arts Factory Lodge, in der Vera schon vor zehn Jahren, als sie die Ostküste Australiens bereist hat, untergekommen ist. Ein nettes Plätzchen am Rand des Ortes, das wir uns mit gut 100 anderen Backpackern geteilt haben. Das Zimmer hat uns schon stolze 35 AUD pro Person und Nacht gekostet. Dazu musste noch für Decken, Töpfe, Pfannen und Tassen Pfand bezahlt werden, weil die Backpacker in Australien scheinbar klauen wie dir Raben.
Bucht von Lennox Head - südlich von Byron Bay
Das Wetter war tagsüber meist schön sonnig und wenigstens 20+ Grad warm, während in Melbourne gerade der Herbst mit viel Regen Einzug hielt. Sobald aber die Sonne unterging, wurde es doch sehr schattig und es halfen nur noch Jacken bzw. der Besuch von Bars mit Heizpilzen. In der Touri-Fleisch-Beschau-Location von Byron Bay war's auch nachts dann noch warm genug, dass sich die Kids aus aller Welt auf der Bühne auch ihres letzten Kleidungsstückes entledigten, um den 700 Dollar-Gutschein für eine Fraser-Island-Tour zu gewinnen.
Blick auf den Sonnenaufgang vom Leuchtturm aus
Eines der Highlights - neben meinem ersten ganz passablen Surfversuchs unter Doris Anleitung - war der Sonnenaufgang auf dem netten kleinen Leuchtturm von Byron Bay. Der liegt auf dem Hügel oberhalb des "Östlichsten Punktes des australischen Festlandes" und bietet somit einen 270 Grad-Rund-um-Blick auf das ruhige Meer, das mit dem Morgenlicht so langsam in Fahrt kommt. Da lohnt sich das Aufstehen mitten in der Nacht auf jeden Fall.



B wie Brisbane:

Nach Byron Bay waren Vera und ich noch über's Wochenende in Brisbane - Australiens drittgrößter Stadt und Hauptstadt von Queensland. Dort haben wir Tal besucht, den Vera vor 10 Jahren beim Backpacken in Thailand kennengelernt hat. Mit ihm, seiner Freundin Ziva und seiner Tochter Lia haben wir es uns in der sonnigen Metropole gut gehen lassen.
Blick auf Brisbane vom Mt. Coot-Tha aus
Von den Fluten Anfang des Jahres, die auch Brisbane erwischt hatten, hat man eigentlich nichts mehr gesehen, außer dass große Teile des damals überschwemmten Stadtstrandes am Brisbane-River immer noch Baustellen waren.


F wie Fotos:

2011.05 Byron Bay

2011.05 Brisbane

Freitag, 29. April 2011

Ostergeschichten

Heute ist der Tag der Entscheidung für alle Melbournians: Abends die Hochzeit oder Aussie Rules Football im Fernsehen glotzen? In unserem Haus ist auf jeden Fall Wedding angesagt - unser Host Helen hat ihre Freundinnen eingeladen. Eigentlich wollten die "Mädels" ja die satirische Berichterstattung der australischen Comedians "The Chaser" anschauen, doch die hat das britische Königshaus in letzter Sekunde doch noch verboten - Shame on you! Tja, die Queen ist immer noch auch die Queen von Australien! Wir haben sowieso andere Pläne und gehen auf eine Geburtstagsparty.

Und letztes Wochenende?

Da war Ostern - auch hier - und wir (also ich ja sowieso) hatten wie alle Australier frei von Freitag bis Dienstag. Ostermontag war nämlich gleichzeitig ANZAC-Day und der Tag danach ist immer frei, weil die Australier am ANZAC-Day früh aufstehen und lange feiern (müssen). Zum nicht ganz unumstrittenen ANZAC-Day werden die Soldaten Australiens und Neuseelands geehrt - vor allem die, die ihr Leben damals im 1. Weltkrieg im türkischen Gallipoli ließen. Da wollten sich die beiden zu Nationen gereiften Kolonien beweisen, haben die Kriegsmaschinerie und -werbetrommeln angeschmissen und 16.000 ihrer Jungs für Mutter England an die Front geschickt. Nur die Hälfte kam wieder zurück, aber Australien und Neuseeland waren danach auf den politischen und militärischen Landkarten vertreten. Auf jeden Fall gehört diese Aktion für viele Australier zur Erfolgsgeschichte des Kontinents und sie lassen es sich nicht nehmen, um 4 Uhr morgens aufzustehen, zum "Shrine of Remembrance" zu pilgern und dort gemeinsam die Nationalhymne zu singen.

Wir sind eher gegen Mittag aufgestanden und mit zwei Freunden, die hier gleich ums Eck wohnen, in die Dandenongs östlich von Melbourne gefahren. Unglaublich schöne und riesige Wälder mit superhohen geraden Bäumen - alles grün, aber auch voll mit "Aus-der-Stadt-Flüchtenden". Nach längerer Fahrt über die grünen Hügel haben wir dann noch ein unbevölkertes Barbecue-Plätzchen gefunden und unser Zeug auf den öffentlichen Grill gehauen. Super Essen, nur leider wird es mittlerweile schon gegen 18 Uhr dunkel und - vor allem im Wald - echt frisch. Aber die Dandenongs müssen wir nochmal erkunden.

Samstags haben wir einen WG-Ausflug ins relativ unspektakuläre Williamstown gemacht - ein Stadtteil von Melbourne, der südlich an der Port Phillip Bay liegt. Mit dem Touri-Boot hingeschippert, mit der Metro Train zurück. Die Hafenpromenade ist ja ganz nett mit all den alten Häuschen, dafür aber auch ttt - total touri & teuer. Der Spaziergang durch den restlichen Teil Williamstowns war dann eher enttäuschend - wie schon öfter festgestellt, sehen australische Städtchen einfach immer gleich aus. Steine, die mal Teil eines Vulkans waren und alte Kanonen, die laut Touristeninformation immer noch auf die Russen warten, konnten uns da auch nicht mehr in Wallungen versetzen.

Und auf unserer kleinen Radtour am Ostersonntag entlang einem kleinen Flüsschen in Richtung Zentrum haben wir dann unsere erste Schlange gesehen. Plötzlich war Ende im Gelände und der Radweg endete apprupt am Flussufer. Tiger-Snake, eine hochgiftige Schlange, direkt vor uns! Die viertgiftigste der Welt, ein Biss kann einen Menschen töten, von Geburt an tödlich! Solange war das Ding dann auch noch gar nicht auf der Welt, vielleicht 30cm lang. Und zwei Männer haben die Kleine gerade dort am Ufer ausgesetzt, weil sie sich in ein Haus verirrt hatte. Also natürlich keine Gefahr, aber hey, wenigstens mal eins von den Dingern gesehen, und wie man hört, ist in Australien schon seit 20, 30 Jahren keiner mehr an einem Schlangenbiss gestorben.

Jepp, wir hatten ein schönes Wochenende, auch vom Wetter her. Nach ein paar Tagen Dauerregen war Sonne auch mal wieder von Nöten. Aber es wird kälter hier, meist bleibt das Thermometer bei knapp unter 20 Grad stehen. Wir hoffen, Deutschland kann wärmere April/Maitage als wir genießen und verabschiedet sich weiterhin von Atomkraftwerken und Studiengebühren.

Und nächstes Wochenende?

Fliegen wir gen Norden ins warme Byron Bay und machen dort ne Woche Urlaub mit Dani und Doris. Dani hat jetzt ein Jahr in Neuseeland gelebt und gearbeitet und bevor sie im Mai wieder nach Deutschland muss, treffen wir uns noch hier auf der anderen Seite des Planeten.

Und Fotos?

2011.04 Melbourne: BBQ in den Dandenongs

2011.04 Melbourne: Ferry to Williamstown

Freitag, 8. April 2011

April heißt hier Herbst

Noch kann man sich nicht wirklich über das Wetter hier beschweren, aber auf der anderen Seite der Erdkugel wird's jetzt so langsam Winter. Nach ein paar kälteren Tagen ist es gerade wieder richtig warm (25+ Grad) aber bald überholt uns Deutschland vielleicht Temperatur-mäßig. Wir sind gespannt, wie kalt/unangenehm es hier wird und ob wir die Heizdecken unseres Luxusbettes anschalten müssen.

Ansonsten schlag ich mich ja leider gerade mit neuen Nierensteinen herum - wie manche schon wissen. Das ganze unterbricht das lockere Leben hier und auch meine Jobsuche ein bisschen, hoffentlich nicht mehr allzu lange..

Naja, obwohl in den letzten Tagen/Wochen nicht allzu viel passiert ist, wollt ich nur mal ein kurzes Lebenszeichen von uns geben. Ein paar unserer Aktivitäten wurden fotografisch festgehalten.

Dienstag, 8. März 2011

Ein Wochenende am Meer

Wir haben ein wunderbares Wochenende hinter uns, das wir mit der kompletten Haus-WG in Helens Strandhaus in Venus Bay verbracht haben. Venus Bay liegt etwa 160 km östlich von Melbourne an der Küste und nur wenige Kilometer vom "Wilsons Promontory" Nationalpark entfernt.

Helen und eine Freundin haben das Haus vor Jahren zusammen gebaut und laden seitdem regelmäßig Freunde dorthin ein, um gemeinsam den Luxus der schönen Natur und der kilometerlangen leeren Strände zu genießen. Was wir doch ein Glück mit unserer Helen haben!

Die "Whisky"-Bucht im Wilsons Promontory National Park
Auf jeden Fall waren wir den ganzen Samstag (ohne Helen) im Wilsons Promontory Nationalpark unterwegs, sind dort rumgewandert und haben Strände, Panoramen und Kängurus bewundert. Natürlich haben wir nur einen kleinen Teil gesehen - man könnte auch locker zwei Wochen dort bleiben und zum Beispiel den südlichsten Punkt Australiens erwandern (sechs Stunden einfach).

Der "Norman"-Strand im Wilsons Promontory National Park
Am heißen Sonntag haben wir uns noch die Strände und Gegend um unser Strandhaus herum angeschaut und waren im nicht allzu warmen Pazifik baden. Wäre schön, wenn die sonnigen Tage noch ein bisschen bestehen bleiben und der Jahreszeit gerecht würden, aber jetzt ist es schon wieder bewölkt und regnerisch hier in Melbourne - sehr wechselhaft eben.


Na ja, genug der Worte, folgende 186 Fotos sagen mehr:
2011.03 Venus Bay & Wilsons Promontory

Mittwoch, 2. März 2011

Ein Wochenende in Geelong

Letztes Wochenende haben wir Kristian in Geelong besucht. Der Kerl, den Vera vor sieben Jahren in Spanien kennengelernt und vor ein paar Wochen hier auf einem Konzert zufällig wieder getroffen hatte. Geelong liegt etwa eine Zugstunde südlich von Melbourne ebenfalls an der "Port Philip"-Bucht und ist mit seinen gut 200.000 Einwohnern schon die zweitgrößte Stadt des Staates Victoria.

Jaja so ist das und los ist da gar nix. Geelong hat einen langen Stadtstrand mit der typischen Promenade, einem Riesenrad und einem natürlichem Schwimmbecken - soll heißen, im Halbkreis angeordnete Gitterstäbe halten hungrige Haie fern von den Planschern. Die Stadt selbst lässt ein wirkliches Zentrum vermissen - Bars, Cafés und Geschäfte verteilen sich über ein paar ausgedehnte Straßenzüge. Laut Vera sieht Geelong wie jede australische Stadt aus, man merkt ihr einfach an, dass sie nicht allzu lange und vor allem nicht geplant gewachsen sind. Immergleiche rechtwinklig angelegte Straßen mit den immergleichen Fassaden, durchbrochen von Supermärkten und Fast-Food-Läden.

Und weil alles so weitläufig und das öffentliche Verkehrssystem nicht der Rede wert ist, fährt jeder in seinem Auto durch die Gegend und kann in "Drive-Through" Geschäften einkaufen. Coffee-to-go auf dem Weg zur Arbeit? Kein Problem, mal kurz in die Autoschlange beim Espresso-Café eingereiht und warten, bis der Kaffee durch's Fenster gereicht wird. Oder nach der Arbeit noch schnell Alkohol für abends kaufen? Einfach in den Garagen-ähnlichen "Bottleshops" reinfahren und sich von den Angestellten das Zeug vom Kühlschrank in den Kofferraum verfrachten lassen.

Man verlässt sein klimatisiertes Auto nicht, aber ohne Auto verlässt man auch sein Zuhause nicht. Die Wohngebiete erstrecken sich vom Zentrum aus kilometerweit ins Umland, hunderte von Straßen, tausende von einstöckigen Häusern - gebaut wird in die Breite, nicht wie bei uns in die Höhe. Und in diesen Wohnvierteln gibt es de facto nichts zu tun - Glück hat, wer eine Art Park in der Nähe hat. Nur mit dem Auto ist alles innerhalb von zehn Minuten zu erreichen. Supermärkte, Golfplätze, Kinderspielplätze, Kinos, et cetera pp.

Kristian hat natürlich auch ein Auto und so waren wir nicht an sein kleines Haus mit großem Fernseher gekettet, sondern haben uns mit ihm die Gegend angeschaut. Sind runter an die "richtige" Pazifikküste gefahren und haben uns die beiden Küstenstädtchen Anglesea und Torquay angeschaut. Hier beginnt auch die "Great Ocean Road", die sich 250 km die Küste entlang schlängelt und einen Haufen Sehenswürdigkeiten - unter anderem die "Zwölf Apostel" - zu bieten hat, aber das wird dann ein anderer Trip. Waren auf der Jagd nach Kängurus, haben sie aber nur faul im Schatten liegend entdeckt. Haben uns auf dem Golfplatz, besser gesagt der Driving Range, versucht, was bei Vera und mir ziemlich bescheuert aussah. Und haben uns Meat-Cakes zum Mittagessen geholt - gebackener Teig mit Fleischpampe gefüllt, vollendet durch Ketchup-Topping. Nicht meins, nicht ihrs, aber seins..

Samstag Abend waren wir dann noch in einem "Club" in Geelong, wo uns mal wieder ein interessantes Exempel australischer Kultur geboten wurde. Einlass nur mit ID, die beim Eintritt-bezahlen gescannt wird, um etwaige "Störenfriede" abzuschrecken bzw. identifizieren zu können. Die Location, eine Kellerbar mit angeschlossenem Tanz- und Konzertraum und latentem Kotze- und Schweißgeruch, aber die Mädels so aufgetackelt, als wär's ein Opernhaus - keine einzige ohne Absätze, nur wenige ohne Abendkleid. Während eine Schulball-typische Band Coverversionen aktueller Rockhits zum Besten gibt, passen uniformierte Angestellte des Clubs auf, dass niemand Gläser mit auf die Tanzfläche nimmt oder zu wild tanzt. Der Billardtisch wird Mitternacht abgedeckt, damit keiner mit den Kugeln um sich schmeißt oder sich den Queue ins Auge rammt???


Die Küste ist schön, die Stadt naja, dafür langweilig, schön war's trotzdem. Hier die Fotos:

2011.02 Melbourne: A Weekend in Geelong

Montag, 21. Februar 2011

Die ersten Wochen

Keine Sorge, der nächste Eintrag soll eigentlich nicht "Die ersten Monate" heißen, und uns geht's super hier in Down Under. Die Eingewöhnungsphase ist vorbei und so langsam macht sich eine Art Alltag breit - gerade für Vera, die seit einer Woche in einem Café nahe der Universität arbeitet. Noch bleibt es eine Art Alltag, denn wir haben genügend Zeit und Möglichkeiten, unsere neue Heimat zu entdecken, zu erleben und zu genießen.

Also, was war so und was haben wir so gemacht?

Unsere australisch-deutsche Haus-WG ist mittlerweile komplett. Helen hat jetzt vier Deutsche in ihrem schönen Haus hier in Brunswick - eine ist Praktikantin bei Deutsche in Melbourne, die andere in einem Melbourner Krankenhaus und wir zwei eben. Die letzten zwei Wochen hatten wir das Haus für uns, weil Helen in ihrem Strandhaus östlich der Stadt war, um an ihrem Roman weiterzuschreiben, der lustigerweise im baden-württembergischen Tübingen spielt.

Ein bisschen shoppen waren wir, weil mir blöderweise gleich am ersten Tag hier meine einzige Jeans gerissen ist. Eine Kopfbedeckung musste auch her, weil die Sonne hier auch manchmal durch die Wolkendecke hindurch Gesichter verbrennt. Und Vera braucht noch ein paar Aussie-Style Klamotten, weil sich's in Jeans schlecht in saunaartigen Café-Küchen aushalten lässt. Auf jeden Fall gibt's im Central Business District Unmengen von Shopping Malls und Geschäfte - preislich etwa wie bei uns in Deutschland. Ein bisschen billiger geht's noch in den Docklands - einem neu und modern aufgezogenem Stadtteil am Hafen - wo es ein ganzes Outlet-Store-Village gibt. Leider hat es dort nicht so mit dem Freizeitangebot geklappt. Das Riesenrad (à la London, Singapor, etc.) wurde 2008 eröffnet und 2009 wieder geschlossen, weil während einer Hitzeperiode schwere Mängel festgestellt wurden. Seitdem wird es Stück für Stück wieder abgebaut und gliedert sich so perfekt in den angeschlossenen entvölkerten Mini-Freizeitpark ein.

Eine Menge mehr Geld geben wir allerdings für Lebensmittel aus, denn die sind teuer hier. In den Supermärkten kostet das allermeiste zwei- bis dreimal so viel wie bei uns. Aber zum Glück hat neben IKEA auch ALDI schon nach Australien expandiert und zum Glück ist der nächste Albrecht Discount gleich hier in der Sydney Road. Und für Obst und Gemüse lohnt sich der Weg in die Stadt auf den Queen Victoria Market immer, wo sich die Marktschreier vor allem kurz vor Schluss heiße Preiskämpfe liefern. Ist ja gut, wenn man für landwirtschaftliche Produkte ein bisschen mehr zahlt als bei uns und somit die Produzenten besser entlohnt, aber manchmal sind die Preise schon demotivierend hier. Dafür herrscht Vollbeschäftigung hier und hat man mal zu viele Angestellte in seinem Supermarkt, packen eben ein paar die Lebensmittel an der Kasse ein oder verteilen Plastikkörbe am Eingang.

Auch Bier und andere Alkoholika sind leider ziemlich teuer hier, was auch damit zu tun, dass der Staat die Trinkfreudigkeit der Jugend einzudämmen versucht. Ein Sixpack 0,33er Bier kostet so 12-15 Euro, kauft man allerdings gleich einen 24-Pack, zahlt man nur 25-30 Euro. Sprich, wer mehr säuft, zahlt auch weniger - da geht der Politiker-Schuss nach hinten los. Dasselbe bei Tabak: Man hebt die Preise einzelner Packungen (ca. 12-15 Euro), um mittellose Schüler abzuschrecken, vertickt aber größere Mengen um so billiger.

Nicht wirklich, aber ein bisschen wie in Singapur, wo der Staat seine Aufgabe darin sieht, seine Bürger vor Dummheiten zu "beschützen" - die Australier nennen das "Nanny State". Genussmittel hoch besteuern und deftige Strafen für jegliche kleine Vergehen festlegen. Falschparker, Geschwindigkeits- oder Rote-Ampel-Übertreter sind hier gleich ein paar hundert Dollar los, wenn sie sich erwischen lassen. Noch perfider sind die Gesetze, um den trinkfreudigen Australiern den Spaß am Trinken zu erschweren: Natürlich darf Alkohol nicht in der Öffentlichkeit getrunken werden und wer besoffen durch die Strassen streift, kann auch mal wegen Trunkenheit verhaftet werden. Aber eigentlich dürfte ja gar niemand "zuviel" Alkohol erwischen, da den Bars und Shops horrende Strafen drohen, wenn sie Betrunkene weiter versorgen.

Das Lustige ist, dass mancher junger Australier diese Gesetze gut findet, weil er ganz genau weiß, wie es sonst zugehen würde. Und das Gute ist, dass Australier oft die Meinung vertreten, dass Gesetze da sind, um gebrochen zu werden. Die Aufmüpfigkeit liegt quasi in ihrer Historie - nicht etwa weil die ersten Siedler Strafgefangene waren, sondern weil die folgenden Siedler vor allem kamen, um der in Europa vorherrschenden Aristokratie zu entfliehen, nur um hier wieder gegen selbige zu kämpfen. Ergo ist Australien natürlich alles andere als ein Polizeistaat oder dergleichen und die bestehenden Gesetze werden nicht gar so streng umgesetzt wie sie klingen.

Tja, und sonst?

Haben auch wir gefeiert! An zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen auf dem St. Kilda Festival (das In-Viertel am Strand) - einmal zur schwul-lesbischen Pride- (Stolz) Parade und einmal zur abschließenden Großveranstaltung mit 420.000 Menschen und Musik, Kunst, Performance, Bars, Partys, etc. pp. in allen Straßen. Die "Deutschen in Melbourne" haben sich in einem Irish Pub im Zentrum getroffen, wo man wunderbar den Dienern des "Nanny-States" zuschauen konnte. Zuerst haben alle Securities des Ladens nach dem Kerl gesucht, der sich ins Männerklo übergeben musste, und später kamen einfach mal vier Polizisten vorbei, um zu sehen, ob nicht jemand schon total besoffen ist und besser nach Hause oder in die Zelle müsste?! Naja..

Wir haben Tania und Luke, die Vera vor fünf Jahren in Chile/Bolivien kennengelernt hat, getroffen und sind mit ihrem Aussie-Muscle-Car durch die Stadt geheizt/geblubbert. Und auf dem "I Am Kloot"-Konzert letzte Woche hat Vera witzigerweise zufällig einen Australier wiedergetroffen, den sie vor sieben Jahren in Spanien kennengelernt und der sie auch in Augsburg besucht hatte. Ihr wisst schon, klein ist die Welt - auch Münchner Gesichter tauchen immer wieder auf. Ansonsten Aussie-Barbecues, versteckte Biergärten, Cafés en masse - das Angebot ist riesig und das ist schön!

Ach ja, Kultur war auch ein bisschen. In der Sidney Myer Music Bowl haben wir eines der freien Konzerte besucht, die es seit 52 Jahren im Sommer gibt. Zu hören gab's das Melbourne Symphony Orchestra mit Stücken von Mozart und Mahler, während man mit 10.000 Menschen im Gras sitzt und picknickt. Auf jeden Fall coole Location und Idee, auch wenn ich mal kurz eingeschlafen bin ;-) Und dann war da noch Sabrina Schmidt in ihrem deutschen Wohnzimmer mitten in der Innenstadt, mit der wir zu Matthias Reims "Verdammt, Ich Lieb' Dich" getanzt haben - das war eigentlich der größte Kulturschock bisher. Das Ganze war ein Projekt der "Kulturfiliale Hannover", in dem es um australisch-deutsche Heimat und Identität geht. Passanten konnten zu Sabrina im Dirndl ins deutsche Container-Wohnzimmer und bei Brühkaffee und Plätzchen darüber plaudern.


So, auch ein langer Text muss mal zu Ende gehen, hier noch neue Fotos:

2011.02 Melbourne: Docklands

2011.02 Melbourne: St. Kilda Festival

2011.02 Melbourne: Sidney Myer Free Concerts

2011.02 Melbourne: Theater deutsch-australisch





Freitag, 4. Februar 2011

Die ersten Tage

So, jetzt haben wir uns schon ganz gut eingelebt hier. Wie schon erwähnt, bleiben wir erstmal länger hier bei Helen in Brunswick wohnen, weil es wirklich schön ist und wir für unser Geld viel Luxus genießen. Melbourne ist eine teure Stadt und sucht man im Zentrum nach Wohnungen, bekommt man oft Bruchbuden zu völlig überteuerten Preisen angeboten. Hier haben wir ein großes Haus mit moderner Küche, warmen Wasser zum Duschen, Waschmaschine, Garten und WiFi - das muss man woanders in Melbourne erstmal finden bzw. bezahlen können.

Die Zeit bisher haben wir genutzt, um uns ein paar grundsätzliche Dinge zuzulegen. Die Steuernummer kann man einfach online beantragen. Wenn man keine hat, wird einem pauschal der Höchststeuersatz von - ich glaube - 25% abgezogen. Prepaid-Karten für's Handy kann man in jedem Supermarkt kaufen. Zum Freischalten telefoniert man dann 10 Minuten mit einer weiblichen Computerstimme, der die australische Lebensfreude mit implementiert wurde - Stichwort "Great!". Ein australisches Bankkonto zu eröffnen dauert da schon länger, was allerdings auch eher an der australischen Gelassenheit liegt. Wer in Deutschland Kunden so "langsam" bedienen würde, müsste sich wohl schnell einen neuen Job suchen. Hier ist "No worries" (~ Keine Sorgen) das Motto.

Ansonsten scheinen wir den Sommer mit nach Australien gebracht zu haben. Die Australier sind gespalten in Klimawandel-Anhänger und -Gegner, aber der jetzige Sommer ließ lange auf sich warten. Wir hatten bisher praktisch nur Sonne und letztes Wochenende ein paar richtig heiße Tage, an denen das Thermometer auf knapp 40 Grad gestiegen ist. Die Hitze bringt dann der Nordwind aus dem "Outback" runter, der sich doch eher unangenehm und wie ein Riesenfön anfühlt. Erstaunlich aber, wie die Temperatur innerhalb von Minuten um 20 Grad fällt, wenn der Wind dreht und plötzlich kühle Luft aus der Antarktis weht. Jetzt gerade ist es eher schwül und regnerisch, weil nach der Hitze die Gewitter anrollen.

Vom Zyklon Yasi haben wir hier gar nichts mitbekommen. Der ist 2500 km entfernt von hier auf die Küste des Bundesstaates Queensland getroffen und hat den armen Leuten dort nach der Flut die nächste Naturkatastrophe beschert. Hier in Melbourne - wie wohl im ganzen Land - stehen an jeder Kasse Spendenboxen für den Wiederaufbau in Queensland und es wird diskutiert, ob man kurzfristig den Steuersatz erhöht.

Soweit also zu unseren ersten Tagen hier im Lande. Erste Erfahrungen mit dem hiesigen "Wildlife" haben wir auch schon gemacht. Die Hausspinnen hier sind irgendwie größer und furchteinflößender als bei uns - allerdings genauso ungiftig und ungefährlich, wie uns Helen erklärt hat. Als echter Gentlemen habe ich ihr trotzdem erstmal den Vortritt gelassen, als es darum ging, das Ding aus dem Haus zu bekommen..


Hier noch ein paar Fotos von unserem ersten Strandbesuch im Stadtteil St. Kilda und ein paar weitere Impressionen der ersten Tage in Melbourne:

2011.01 Melbourne: St. Kilda Market & Beach

2011 Melbourne: Impressions

Samstag, 29. Januar 2011

Australian Open

Gestern waren wir auf den Australian Open, die ja gerade hier in Melbourne stattfinden. Vom Federation Square, dem Epizentrum der Stadt, aus sind es nur ein paar Hundert Meter den Yarra-Fluß entlang zum Austragungsort des ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Für 19 AUD bekommt man einen Tagespass und somit Zugang zum kompletten Gelände - außer dem Centercourt. Für die dortigen Spitzenspiele müsste man gleich ein paar Hundert Australische Dollar berappen, die wir gestern nicht locker machen wollten. Hätte sich allerdings vielleicht sogar gelohnt für das gestrige Halbfinale zwischen Ferrer und Murray.

Stattdessen haben wir uns ein paar Spiele der Junioren, Rollstuhl-Fahrer, gemischten Doppel und das sogenannte Legends-Final, wo altgediente Stars wie Patrick Rafter halbernstes Tennis präsentieren, angeschaut. Wären wir jetzt "geil-auf-Stars", wäre wohl die Begegnung mit David Ferrer unser Highlight gewesen, der nach seinem Aufschlagtraining umringt von kreischenden Fans an uns vorbei gelaufen ist. Dann hätten wir aber auch einen der Basketball-großen Tennisbälle gebraucht, auf denen man Autogramme sammeln kann, und hätten uns bewaffnet mit Digitalkamera zu ihm durchdrücken müssen, um einen Schnappschuss von uns und seiner Schulter zu ergattern. Da haben wir mal wieder nicht schnell genug geschalten..

Seinen Rauswurf aus dem Turnier haben wir dann abends auf dem Nachhauseweg in drei Etappen verfolgt. Weil wir mittags bei 30 Grad nicht genug Jacken eingepackt hatten, mussten wir uns dem tückisch-kalten Melbourner Wind geschlagen geben und den letzten Satz im trauten Heim verfolgen. Morgen soll es allerdings gleich 40 Grad geben, das sollte hoffentlich reichen, um sich abends gemütlich das Finale beim Public Viewing auf dem Federation Square anzuschauen.


Hier noch ein paar Fotos von unserem Besuch auf den Australian Open:
2011.01 Melbourne: Australian Open

Der Australia Day zum Einstieg

Obwohl wir am Abend des 24. Januars hier angekommen sind und gleich mal gemäß dem neuen australischen Rhytmus schlafen konnten, hat uns der Jetlag am 25. gnadenlos eingeholt. Also haben wir diesen Tag nochmal komplett mit Schlafen verbracht und den 26. Januar zu unserem ersten "offiziellen" Tag in Melbourne gemacht.

Und dieses Datum bedeutet hier Nationalfeiertag, denn am 26. Januar 1788 erreichte die sogenannte "First Fleet" aus England die Küste Australiens, um das Land zu besiedeln. An Bord insgesamt 1300 Strafgefangene und Besatzungsmitglieder, die die beiden ersten Ansiedlungen im heutigen Sydney und auf der östlich gelegenen Norfolkinsel aufbauten. Dieses geschichtliche Faktum feiert die australische Masse mit viel Fahnenschwingen und Nationalstolz, ein großer Tag mit Familie und Freunden. Allerdings bezeichnen viele den "Australia Day" eher als "Invasion-" oder "Survivalday", weil die Ankunft der Engländer letztlich die Unterwerfung der Aborigines bedeutete.

Für uns auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, direkt in die australische Kultur einzusteigen. Unsere Mitbewohnerin nimmt uns mit ins Zentrum, wo wir uns mit einem Haufen anderer Deutscher die Feierlichkeiten vor der Town Hall anschauen. Marines, Pfadfinder und andere Uniformierte marschieren auf und nehmen Haltung an. Als Kängurus oder Crocodile Dundee verkleidete Sunnyboys auf Stelzen verteilen Australienflaggen. Jemand hält eine Rede, die Australien als Land preist und simultan in Gebärdensprache übersetzt wird. Die Nationalhymne wird gesungen und Soldaten hissen die Landesflagge. Dann geht die Parade los. Angeführt von den Uniformierten laufen nach und nach alle möglichen ethnischen oder sonstwie Gruppen an uns vorbei und freuen sich des Lebens.

Als der ganze Spaß vorbei ist, kaufen wir uns alle Barbecue-Utensilien und machen uns auf zum Strand, wo "Deutsche in Melbourne" zum gemeinsamen Grillen geladen hat. Der Strand ist, weil mitten in der Stadt gelegen, zwar nicht der schönste, der Wind frisch und unsere Augen müde, weil der Jetlag immer noch nicht ganz ausgestanden ist, aber es ist super, gleich mal ein paar Bekanntschaften zu schließen.


Hier noch ein paar Fotos von unserem ersten "Australia(n) Day":

2011.01 Melbourne: Australia Day

Donnerstag, 27. Januar 2011

Wo wir jetzt wohnen

Melbourne in Australien
So, jetzt sind wir also hier in Australien oder Oz oder Down Under gelandet. Ein riesiges Land, in dem ganze 2,8 Menschen pro Quadratkilometer wohnen. Bei uns in Deutschland sind es 229. Hätten wir die selbe Bevölkerungsdichte wie Australien, würden sich statt 82 nur eine Millionen Leute zwischen Flensburg, Obersdorf, Aachen und Görlitz verteilen. Genug Platz hier also, falls noch jemand einen Claim abstecken will. Bessere Chancen bestehen allerdings im Landesinneren, denn Australiens Bevölkerung drückt sich vor allem an die Küsten. Dort liegen auch alle Ballungszentren des Landes.

Australiens Bundesstaat Victoria
Uns hat es nach Melbourne im australischen Bundesstaat Victoria verschlagen. Die südlichste Millionenstadt der Welt und mit vier Millionen Einwohnern nach Sydney die zweitgrößte Stadt Australiens. Genauer gesagt, sind wir in Brunswick, was bei uns Braunschweig heißen würde. Brunswick ist ein Vorort von Melbourne und liegt etwa 6 km nördlich des Zentrums. Mit der Tram, dem Hauptverkehrsmittel hier in der Stadt, sind das gute 20 Stationen respektive 30 Minuten. Beachtet man die Ausmaße der Metropolregion Melbourne, die sich über eine Breite von 50 und eine Höhe von 70 Kilometern erstreckt, wohnen wir somit mittendrin. Will man in das wirkliche Zentrum, den Central Business District, muss man entweder horrende Mieten bezahlen oder seine Ansprüche in Sachen Wohnkomfort kräftig herunterschrauben.

Melbournes Stadtteil Brunswick
Wir sind hier bei Helen untergekommen und können weder über den Komfort noch den Preis meckern. Helen, eine Australierin in den 60ern, vermietet seit Jahren Zimmer ihres großen schönen Hauses nahe der Sydney Road, der Hauptstraße in Richtung Zentrum, und wir sind super glücklich, eines davon bewohnen zu dürfen. Außer uns wohnt noch eine andere Deutsche hier und bald vervollständigt eine Stuttgarterin unsere australisch-deutsche Wohngemeinschaft. Und ja, Melbourne ist voll von Deutschen.

Auf jeden Fall fühlen wir uns hier so wohl, dass wir statt der geplanten fünf Wochen erstmal auf unbestimmte Zeit hier bleiben.


Hier noch ein paar Fotos von unserem neuen Zuhause:

2011.01 Melbourne: Louisa Street & Brunswick