West Bengal, IndiaUnser Start in Indien war weniger stressig als erwartet. Auf dem 2,5h Flug von Bangkok nach Kolkata (ehemals Calcutta) haben wir eine Italienerin kennengelernt, die sich bestens in der Stadt auskennt, und somit waren Taxipreis, Hotel- und Restaurantsuche ziemlich relaxed. Kolkatta's Flughafen ist ueberraschend klein und Menschenmassen und Verkehrschaos haben wir uns schlimmer vorgestellt. Natuerlich ist trotzdem alles voll von Indern - irgendwas um die 15-17 Millionen leben hier in Indiens zweitgroesster Stadt. Und auf den Strassen gilt einfach das Recht des Staerkeren - wer nicht auf das Gehupe achtet, hat schnell einen Kotfluegel im Oberschenkel.
Die Sudder-Street ist die Backpacker-Strasse der Stadt, das 'Paragon' unser Hotel -> 50 Zimmer einfachster Art eingequetscht auf 2 Etagen zwischen den Nachbarhauesern, viele andere Touris (viele Japaner) und immer was los (Alkohol ist im relativ liberalen Kolkata kein Problem). In der Nachbarschaft liegt der 'New Market', wo es bunte Stoffe und Kleider en masse gibt, die Park Street - die Nobelstrasse der Stadt mit teueren Restaurants, McDonald's und genauso vielen Sicherheitsleuten wie Bettlern. Es kommt einem so vor, als wuerde die Haelfte der Stadtbevoelkerung komplett auf der Strasse leben. Laeuft man nachts durch die Strassen, sind die Gehwege gesaeumt mit schlafenden Menschen, sogar auf den Hauptstrassen. Auch bittere Realitaet sind die Heroin-Fixer, die sich Tag wie Nacht zu Fuessen der Passanten ihre Nadeln setzen. Seit den Attentaten in Mumbai (Bombay) scheint die Regierung etwas paranoid zu sein, denn jeder U-Bahn-Eingang hat Metalldetektoren und Beamten durchsuchen Taschen und Rucksaecke (die der Touristen meist nicht). Jedes halbwegs offizielle Buero (etwa die Bahngesellschaft) wird von bewaffneten Soldaten bewacht und auch am Bangkoker Flughafen wurde fuer die Indienfluege doppelt und dreifach kontrolliert.
Unser Ein

stieg in Stadt und indische Kultur war gleich mal direkt, denn am ersten Morgen haben wir den Tempel der Kali besucht, wo gerade geopfert wurde. Im Akkord wurden Ziegen ausgesucht, bezahlt und enthauptet - alles voll mit Kadavern, Blut und Whiskey (den die Inder ueber die offenen Haelse giessen). Im Inneren des Tempels draengeln und schlagen sich die Leute, um einen kurzen Blick auf die Kali-Statue in einer Nische zu erhaschen - pures Chaos - und natuerlich gibt es auch ein getuerktes Spendenbuch, um die Touris abzuziehen. Sonst sind wir viel durch die Strassen Kolkatas gewandert. Alle dichtbevoelkert von den Menschen, bunt von den Geschaeften und schattig (nicht kalt) von den praechtigen Kolonialbauten. Und gestern Abend hatten wir einen weiteren tieferen Einblick in die "dunkleren" Ecken der Stadt. Durch das Rotlichtviertel mit schulterfreien jungen Inderinnen (oft sind Kleider auf der Strasse Bauch- oder Rueckenfrei, aber nie Schulter oder Knie) sind wir zum Hooghly-Fluss und zu den Krematorien am Ufer, wo gerade eine Leichenverbrennung stattgefunden hat. Den ganzen Abend haben wir dort mit den Leichenbestattern verbracht, die hier wohnen, um einen 24/7 Service anbieten zu koennen (Tote muessen dem Glauben nach innerhalb von 24h verbrannt werden).
Heute Abend nehmen wir einen Zug nach Puri - 9h die Kueste runter - um schrittweise in den Sueden des Landes zu gelangen. Mit dem Kauf der Tickets waren wir gestern - dank Buerokratie-Wahn und im Hotel vergessenem Reisepass - den ganzen Tag beschaeftigt.