Sonntag, 24. Januar 2010

Yangon (26.12. - 28.12.2009)

Irrawaddy, Myanmar (Burma)

Hier in Yangon beginnt unsere 28-taegige Myanmar-Reise und die ersten Kilometer in einem sehr alten Kleinbus zu unserem Hotel, dem 'Motherland Inn 2', der noch dazu mit Motorschaden liegenbleibt, lassen uns gleich in eine bisher fremde Welt eintauchen. Yangon hiess frueher Rangoon (der britische Name) und war bis 2005 die Hauptstadt des Landes. Dann haben die Generaele beschlossen, sich eine prunkvolle neue Hauptresidenz (Naypyidaw) mitten ins Nirgendwo bauen zu lassen. Aber Yangon ist mit mehr als 5 Mio. Einwohnern immer noch die groesste Stadt des Landes und Wirtschaftszentrum.

Die Stadt versprueht einen ganz besonderen und irgendwie morbiden Geist. Die Strassen sind voll von britischen Kolonialbauten, die die Regierung aus Trotz dem Zahn der Zeit ueberlaesst. Ueberall sind tausendfach abgezweickte Stromleitungen in allen Himmelsrichtungen ueber die (kleineren) Strassen gespannt, wobei die staatliche Stromversorgung sehr inkonsequent ist, denn 24/7 Strom haben in diesem Land nur die neue Hauptstadt und ein paar Orte mit wichtigen Industrien. Vielmehr ist Yangon die dunkelste Grossstadt, die wir je gesehen haben. Anstatt von Laternen werden die Strassen von den vielen kleinen batterie- oder Generatorbetriebenen Lampen der Shops, Staende und Restaurants diffus beleuchtet. Der typische Sound dieser Stadt ist das Rattern und Brummen tausender Generatoren. Fuer eine asiatische Stadt sehr untypisch ist das Fehlen jeglicher Motorroller/-motorraeder - die hat die Regierung einfach kurzerhand verboten, weil es zu viele Unfaelle gab. Den Transport der Einwohner uebernehmen stattdessen Massen von schrottreifen Bussen und Pick-Ups. Die einzigen Autos, die hier nicht mindestens 20 Jahre alt sind und in Europa eine geringe Chance haetten, zugelassen zu werden, sind die Diplomatenwagen (meist aeltere Mercedes-Modelle). Die Botschaften und auslaendischen Vertretungen sollten nicht in die neue Hauptstadt mit umziehen, denn da wollen die Generaele unter sich sein. Staatsdiener hingegen wurden unter Androhung von langen Gefaengnisstrafen gezwungen, mitsamt ihrer Familien umzuziehen.

Unser erster Tag in diesem Land und dieser Stadt ist ein Samstag und zusammen mit einem Schweizer stolpern wir spontan in das Nachtleben. Ueber einen Aufzug gelangen wir auf einen Dach-Biergarten mit Karaoke-Buehne und einem Dutzend weiss-hemdiger Kellner. Zwischen den Gesangsdarbietungen ueber eine kraechzende Sound-Anlage findet hier jeden Samstag eine Modellshow statt. Gruppen junger aufgetackelter Maedels praesentieren unsicher verschiedene (natuerlich nicht sehr freizuegige) Modeschoepfungen. Die einheimischen Maenner sitzen derweil im Dunkeln an den mit Whiskeyflaschen bestueckten Tischen und geniessen den Anblick - mehr an oeffentlicher Erotik gibt es wohl nicht in Myanmar. Wer will, kann einem der Maedels eine Blumenscherpe oder einen -kranz kaufen (3-5 USD), der dieser dann unter Applaus ueberreicht wird. Das beschenkte Modell bekommt einen Teil des Geldes und setzt sich als Gegenleistung fuer ein paar Minuten an den Tisch des Spenders. Im 2. Stock des Gebaeudes statten wir danach der Disco einen Besuch ab. Der laengliche Raum ist dunkel und nur Tanzflaeche und DJ-Kanzel sind bunt beleuchtet. Waehrend das DJ-Duo enthusiastisch grausame Pop-Techno-Mixes (etwa eine Technoversion Celine Dion's Titanic-Songs) auflegt, tanzen gerade mal 2-3 Maedels auf der leerenTanzflaeche. Hier geniessen sie die Freiheit, zu rauchen, Bier zu trinken und ihre T-Shirts unter ihre BH's zu stopfen. Wieder sitzen die wenigen anderen maennlichen Gaeste Whiskey-trinkend im Dunkeln und beobachten das Treiben. Und auch hier gibt es rausgeputzte Kellner, die einem als persoenlicher Getraenke-Besorgunger und Unterhalter zur Verfuegung stehen. Sehr skurril das alles..

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen