Sonntag, 24. Januar 2010

Kalaw & Trek zum Inle-Lake (29.12.2009 - 01.01.2010)

Northeastern Myanmar (Burma)

Da wir wissen, dass wir noch 1,2 mal nach Yangon zurueckkommen werden, und uns der Sinn wieder mehr nach Natur steht, nehmen wir bald einen Uebernachtbus in das kleine Bergdoerfchen Kalaw, von wo aus wir zum Inle Lake trekken wollen. Yangon's Busterminal liegt 45min Taxifahrt ausserhalb des Zentrums und gleicht mehr einem riesigen Schrottplatz. Zwischen dem bunten Treiben aus Taxis, Markt, Garkuechen und Ticketschaltern stehen ueberall Wracks herum, die nach und nach ausgenommen werden, um die restlichen Busse ein paar weitere Wochen lang fahrtuechtig zu machen. So schlecht ist unser Bus dann aber gar nicht und dank der gutausgebauten Strassen vorbei an der neuen Hauptstadt (in der mitten in der Nacht wirklich jede Gluehbirne brennt) haben wir eine ruhige Fahrt. Schlaf-stoerend ist nur der laute Fernseher, der burmesisches Theater und amerikanische Actionfilme zeigt, sowie die regelmaessigen Checkpoints. Myanmars Regierung will wissen, wohin das Volk und die Touristen reisen, und so muessen wir oefters in die kalte Nacht raus und unsere Paesse vorzeigen.

Nichts leichter als in Kalaw mitten in der Nacht um 3:00 Uhr einen Guide fuer die 3-Tages-Tour zum Inle-Lake aufzutreiben. Jimmy liest uns auf der Hauptstrasse auf, nachdem uns der Bus dort muede und mitsamt Gepaeck abgesetzt hat. Die indischen Besitzer (viele Inder kamen damals mit der britischen Armee ins Land) unseres Guest Houses sind darueber nicht so erfreut, da die beiden Soehne (Rambo & Harry) ebenfalls Tourguides sind, und so fluestern sie uns am Lagerfeuer, dass Jimmy mit der Regierung zusammenarbeiten und morgens das Essen der Moenche stehlen wuerde. Natuerlich totaler Quatsch, aber der Konkurrenzkampf ist gross und auch Jimmy laesst ein paar Kommentare in die Gegenrichtung los. Wir bleiben nur einen Tag in dem Bergstaedtchen, wo es bitterkalt wird sobald die Sonne untergeht, um auf ein paar Leute aus Yangon zu warten.

Am 30.12. startet unser 9er-Trupp seine Wanderung zum 30km entfernten Inle-Lake – 3 BelgierINNEN, 1 Hollaenderin, 1 Kanadier, der in Kalifornien lebt, 1 Englaender, der in Sydney lebt, Jimmy und wir. Natuerlich nehmen wir nicht die Strasse sondern kleine – teils sehr zerfurchte und staubige – Wege, die sich bergauf, bergab durch die Huegel ziehen. Der 3-Tages-Trek ist eine feste touristische Institution und so sind Restaurants auf dem Weg auf unser Kommen vorbereitet und wir begegnen ein paar anderen Trekking-Gruppen. An einem laendlichen Bahnhof machen wir unsere letzte Pause des Tages und haben Glueck, dass gerade ein Zug einfaehrt und wir das einsetzende Treiben beobachten koennen. Dutzende Verkaeufer stroemen an die offenen Fenster des antiken Zugs und bringen Essen, Trinken und Blumen unter die Passagiere. Da das Schienennetz in Myanmar mindestens so antik wie die Zuege selbst ist, dauern Zugfahrten meist doppelt so lange wie die ebenfalls langsamen Busfahrten, und sind scheinbar so holprig, dass man nicht mal ein Buch lesen kann. Obwohl sich die Zuege gemuetlich durch idyllische Landschaft schlaengeln, haben wir's nie ausprobiert, da das Geld fuer die ueberteuerten Touristen-Tickets in die Taschen der Generaele wandert.

Die erste Nacht verbringen wir in einem nahen Dorf, in dem mit deutschen Hilfsmitteln ein Gaestehaus errichtet wurde. Den Abend ueber waermen wir uns am Lagerfeuer auf, zum Schlafen wickeln wir uns zitternd in mehrere dicke Decken. Wie angenehm, als wir am naechsten Morgen wieder aufbrechen und die Sonne langsam an Hoehe und Waerme gewinnt. Mit zwei weiteren Reisegefaehrten (1 Deutsche, die in Hong Kong lebt und 1 Argentinier, der ein Guest House auf Ibiza hat) geht's den ganzen Tag weiter durch Reis- und Chili-Plantagen und ein paar einfache Doerfer, wo uns die Kinder schon erwartungsvoll begruessen. Abends erreichen wir das Kloster auf einem bewaldeten Huegel, in dem wir die Silvesternacht verbringen werden. Im Hauptgebaeude hat man uns und anderen Wandergruppen mit Vorhaengen abgetrennte Matratzenlager hergerichtet - dahinter die Buddha-Schreine und betenden jungen Moenche. Nach Koerperpflege mit eiskaltem Brunnenwasser und Abendessen halten wir uns mit Whiskey, Rum und gruenem Tee warm und wach, bis wir es am Lagerfeuer knapp ueber den Jahreswechsel nach burmesischer Zeit schaffen.

Noch ein halber Tagesmarsch, dann haben wir's fast geschaft. In einem Dorf, das an einem der langen Auslaeufer-Fluessen im Sueden des Inle-Lakes liegt, steigen wir in eines der typischen flachen Boote um. Nach einer knappen Stunde Bootsfahrt erreichen wir die grosse Weite des 22km langen Sees und haben eine weitere Stunde bis nach 'Nyaung Shwe' – der Touristenstadt im Norden.


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