Sonntag, 24. Januar 2010

Inle-Lake (01.01. - 04.01.2010)

Northeastern Myanmar (Burma)

Die eiskalten Naechte des 3-Tages-Treks sind vorueber. In 'Nyanung Shwe' am noerdlichen Ende des Inle-Lakes ist es nachts nicht mehr ganz so kalt, vor allem aber haben wir wieder ein Bett in einem Zimmer mit einem Bad mit heissem Wasser. Unsere Trekkinggruppe bleibt erstmal vollstaendig ein paar Tage hier und so unternehmen wir zum Teil gemeinsam Ausfluege und gehen Abends zusammen essen. Das touristische Staedtchen (man muss 3 Dollar an die Regierung abdruecken, um ueberhaupt hier sein zu duerfen) bietet nicht allzu viel – die ueblichen Tempel, Pagoden und Buddhastatuen eben. Mit dem Rad erkunden wir Stadt und die benachbarten kleinen Doerfer in herrlicher Umgebung und besuchen die jungen Moenche in einem komplett aus Teak-Holz gebauten Kloster.

Traditionsgemaess sollte jeder Burmese 2x in seinem Leben eine gewisse Zeit im Kloster verbingen um die Lehren Buddhas zu lernen. Allerdings erfuellen die meisten diesen Brauch mit ein paar Tagen und die der Grossteil der jungen Moenche rekrutiert sich wohl aus Waisen und Obdachlosen oder aus ambitionierten Buddha-Anhaengern. Arbeiten duerfen die Moenche nicht - sie sollen ihre Zeit zum Lernen und Lehren nutzen - und so ziehen sie am fruehen Morgen in langen Schlangen mit ihren Gabentoepfen durch die Strassen. Eigentlich sollen sie auch keinen Sport betreiben und natuerlich auf gesundheitsschaedigende Mittel wie Nikotin, Koffein und Alkohol verzichten. Trotzdem sieht man manchmal Jungs in weinroten Roben dem Ball hinterherjagen oder aeltere Moenche in Teestuben sitzen und quatschen, waehrend sie genuesslich an selbstgebauten Zigaretten ziehen. Die Moenche sind in Burma einerseits omnipraesenter und integrierter Teil der Gesellschaft und andererseits dann und wann sehr gefragte Meinungsbildner und Ratgebende. Generell gesehen, stehen sie auf der Gegenseite der Militaer-Junta, drehen zum Protest ihre Gabenschuesseln um (was im Buddhismus ein ultimatives Zeichen ist, da nur gutes Karma sammeln kann, wer ihnen Gaben spendet) und fuehren friedliche Demonstrationen gegen die Regierung und ihre Entscheidungen an. Moenche schlaegt man nicht, und wenn man es tut, bringt man das ganze empoerte Land gegen sich auf – was z.B. 2007 passierte, als die Regierung die Kraftstoff-Subventionen restlos strich und schlagartig alles teurer wurde (damals wurde auch der japanische Fotograf auf offener Strasse erschossen). Leider nur ist der Regierung die Empoerung des eigenen Volkes ziemlich egal – wer auch nur ein Sterbenswoertchen sagt, hat gute Chancen denunziert zu werden und fuer 15 Jahre in Arbeitslager oder Gefaengnis zu verschwinden.

Soviel zu ein paar Dingen, an die man als Tourist natuerlich gar nicht denken sollte, von denen man eigentlich gar nicht wissen sollte, ginge es nach der Regierung. Brav das Land besuchen, teuere Regierungshotels bewohnen, Zug fahren (Regierungsgeschaeft), Fliegen (Regierungsgeschaeft) und allen Freunden erzaehlen, wie toll es ist, damit die auch noch ein paar Dollar in Regierungskassen pumpen, wobei die hauptsaechlich durch das Verscherbeln der vielen Rohstoffe des Landes an wohlgesinnte Regierungen gefuellt werden. Aber das Land ist toll und wuerden wir es nicht bereisen und erleben, waere Burma fuer uns nur eines der vielen Laender auf der Welt, in denen einiges schief laeuft, ohne genau zu wissen was und somit ohne wirkliches Interesse daran zu haben.

Den Inle-See selbst, auf dessen riesiger Flaeche ein Haufen Menschen wohnt, lebt und arbeitet, schauen wir uns auf einer eintaegigen Bootstour an. Im Sueden sind ganze Staedte mit ansehnlichen Wohnhaeusern, Stromleitungen und Schulen auf Stelzen ins Wasser gebaut und die Menschen bewegen sich ganz natuerlich in Booten (beziehungsweise eher ausgehoehlten Holzstaemmen) vorwaerts, waschen sich im und trinken aus dem See. Lange Auslaeufer ziehen sich zu den einzelnen Doerfern am suedlichen Festland, wo die Menschen unter einfachsten Verhaeltnissen verschiedenen Handwerken nachgehen und in denen abwechselnd der regionale Markt stattfindet. Dazwischen immer wieder Tempel und Pagoden, die entweder verwittert oder frisch geweisselt die burmesische Landschaft mit ihren goldenen Spitzen vervollstaendigen. Touristisch ist der See sehr gut erschlossen – er gehoert zu den Hauptattraktionen des Landes – und so besuchen wir leider auch Touristenrestaurants (vollgestopft mit Pauschalreisegruppen), Webereien und Silberschmieden, wo von uns erwartet wird, uns mit Souvenirs einzudecken.


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