Bali lassen wir mit der 5-stuendigen Faehre von Padangbai nach Lembar/Lombok hinter uns, auf der wir uns mit ein paar anderen Touristen auf dem leeren weil kochend heissem Oberdeck ausbreiten. Vor dem Hafen muss man erstmal durch einen Knaeuel "Ticketverkaeufer", in dem man "very cheap tickets" fuer 250-300.000 Rph (~20 Euro) am Laufenden Band kaufen soll. Dumm nur, dass sie am normalen Schalter 30.000 Rph (~2 Euro) kosten und noch duemmer, dass manche Touristen auf den Spass reinfallen. Indonesisches Hafengebiet ist Abzockergebiet vom Feinsten -> Blick auf den Boden und Richtung des offiziellen Schalters einschlagen, jegliche Hindernisse wegdraengen oder umgehen!
Wie gesagt, sind wir erstmal alleine auf dem Oberdeck, bis nach und nach immer mehr neugierige Indonesier auf Idul Fitri (=Ende des Ramadan) Reise ihre Zigaretten in unserer Naehe rauchen, um uns "klammheimlich" zu beobachten, fotografieren und zu filmen (meist mit Handys). Die Mutigsten setzen sich zu uns, fragen ob wir gemeinsame Fotos machen koennen und unterhalten sich mit uns. Die See ist nicht allzu ruhig und wir bemerken auch auf dieser grossen (natuerlich mal wieder heillos ueberladenen) Autofaehre das Eintreten einer gewissen Uebelkeit - sind deswegen froh, als wir kurz vor Sonnenuntergang endlich in Indonesiens schoenstem Hafen einlaufen. Das sagt zumindest der Lonely Planet, wahrscheinlich wegen den gruenen Bergen und Huegeln und der netten Bucht, in der er liegt - sonst aber voll mit Faehren, Frachtern und Dreck.
Lembar (18.09. - 19.09.2009)
Weil wir erstmal vom Reisen genug haben, checken wir ins sehr indonesische Hotel 'Mashuri' (ein paar Hundert Meter weg vom Hafen) ein und bekommen von den netten Besitzern unsere erste original 'Sasak' (=Lombok-Kultur) Mahlzeit serviert. Am naechsten Morgen um 7 Uhr spueren wir unser erstes Erdbeben und fluechten gleichmal im Schlaf-"Anzug" aus dem Gebaeude. Fuehlt sich doch sehr komisch an fuer uns -> die Einheimischen sind eher von unserem Aufzug ueberrascht. Das Epizentrum lag auf Bali, das wir gestern verlassen hatten, und das Beben hatte eine Staerke von 6,4 - was zum Glueck gerade dazu gereicht hatte, ein bisschen Sachschaden anzurichten.
Suranadi (19.09. - 20.09.2009)
Warum auch immer suchen wir uns das Dorf Suranadi - oestlich der Hauptstadt Lomboks 'Mataram' - als erstes Reiseziel aus, was wir mit Kijang und Taxi in 1,5h erreichen. Das einzig wirklich verlaessliche Taxi-Unternehmen Indonesiens ist 'Blue Bird', was wir NICHT fuer die Fahrt von Mataram nach Suranadi benutzen. Um diese Lonely Planet-Weisheit zu bestaerken, faehrt unser Fahrer natuerlich gleich mal an dem deutlichen sichtbaren Schild nach Suranadi vorbei und nimmt einen grossen Umweg, den wir leicht in der kleinen Karte unseres Reisefuehrers verfolgen koennen. Macht ja nix, auf den Preis wirkt's sich's nicht allzu sehr aus, aber in Suranadi angekommen, spreche ich den arschfreundlich tuenden Fahrer darauf an, was in dazu veranlasst, schnell sein Geld einzusacken und beschaemt abzuduesen.
Naja, jetzt stehen wir mit unseren Rucksaecken in diesem kleinen Doerfchen, dessen einzige Sehenswuerdigkeit ein hinduistischer Tempel (Raritaet hier, weil Lombok wie der Grossteil Indonesiens muslimisch ist) mit heiligen Aalen ist, die man mit gekochten Eiern aus ihren Loechern locken kann. Die wenigen Touristen, die sich das Ding anschauen, fahren schnell von Mataram oder Senggigi rueber und bleiben hier fuer null Naechte. Wir checken mal in das eine der 2 Homestays namens 'Lanang' ein - indonesischer Standard, dafuer indonesische Preise..
Den Tempel sparen wir uns, weil der wieder 'Donation' kostet, die denen der Vorgaenger angemessen sein sollte, und wie durch ein Wunder zeigt das Buch, dass alle vorherigen Spender ausserordentlich grosszuegig waren. Ausserdem sehen balinesisch-hinduistische Tempel wirklich alle sehr gleich aus. Aber auf dem Tempelvorplatz nehmen wir in einem einheimischen Warung Platz, in dem wir gegrillte und nicht zuordbare Fleischstueckchen am Spiess mit Reis und very hot Sauce serviert bekommen. Auf unserem weiteren Rundgang erkunden wir einen Affenwald mit verfallenen Tempeln und einem verfallenen Zeltplatz - ueberhaupt sieht es hier aus, als waere der wenige Tourismus, der hier mal stattgefunden hat, vor Jahren komplett zusammengebrochen. Die Sache ist, dass Lombok nach den 'Bali-Bombings' 2001/2004 quasi gar keine Besucher mehr hatte.
Tja, wie gesagt, hier gibt es nichts zu tun und wir wollen es auf jeden Fall bei der einen Nacht belassen, die gleichzeitig die wichtigste Nacht fuer die Muslime Indonesiens darstellt. Endlich ist der Ramadan zu Ende und man darf wieder unter Alah's Augen bei Tageslicht essen, trinken, kettenrauchen und weitere menschliche Dinge tun.. Und das wird gefeiert -> sogar in diesem verschlafenen Kaff hoert man nach Sonnenuntergang eine dermassene Geraeuschkulisse plus Feuerwerk, etc und sieht Autokolonnen mit islamischen Sprechchoeren und Musik durch die Dorfstrasse rasen.
Geschafft! Glueckwunsch! Am naechsten Morgen sind wir froh, ein Bemo nach Mataram zu bekommen (es gibt eben auch Hindu-Bemo-Fahrer auf Lombok) und finden die pulsierende Grossstadt komplett geschlossen und leergefegt vor - die Strassen, bis auf ein wenig Reiseverkehr, eben so leer. In der Shopping Mall, die bis auf den KFC und McD auch zu hat, erfuellen wir uns erstmal den lange gehegten Traum eines BigMac Menues nach all dem Reis und Chicken. Mit uns schlagen sich einen Haufen Kiddies mal wieder so richtig die Baeuche mit Eis und Pommes voll, waehrend wir mal wieder Ziel aller Augen sind.
Bilder von der Ueberfahrt, Lembar & Suranadi unter: http://www.getdropbox.com/gallery/198087/1/09-09%20Suranadi?h=8aa6ed
Kuta/Lombok (20.09. - 22.09.2009)
Eigentlich wollen wir einen Tourist-Shuttle von Mataram nach Kuta im Sueden Lomboks nehmen, doch alle Fahrer sind im Idul Fitri Urlaub und die Dame von Perama (dem groessten Touri-Schaukel-Unternehmen des Landes) raet uns, ein Taxi zu nehmen, da dass sowieso billiger sei. Also geht's in 1,5h erst ueber Strassen, dann Schlaglochpisten, dann moderne Highways durch kleine Staedte und Doerfer und der Riesenbaustelle des internationalen Flughafens vorbei an die Suedkueste.
Wir checken im 'Surfer's Inn' ein und haben zum ersten Mal eine Anlage mit Swimming Pool. Gratis dazu, einen Haufen Surfer-Buddies (hey Yo!), die von den scheinbar super Wellen hier angezogen werden. Saucoole Burschen! Gruessen noch nicht mal zurueck - uns laeuft's jedes mal kalt den Ruecken runter vor Respekt.. Der Hausstrand ist voll mit indonesischen Familien, die ihre Feiertage am Meer verbringen und wie immer alle auf den selben 100m des 5km langen Sandstrandes abhaengen.
Kuta/Lombok hat kilometerlange und leere weisse Sandstraende, die eingebettet in Huegeln und Felsformationen liegen und ist wohl das Gegenteil des Bali-Kutas -> ruhig, gediegen, natuerlich! Es ist wohl der gefaehrlichste Ort Lomboks, weil: Man sollte seine Wertsachen nicht am Strand liegen lassen, weil die Bevoelkerung eher arm ist und es Langfinger gibt. Ah ja, schonmal die Digicam in Italien/etc. am Strand liegen lassen? Aber bleibt ruhig weg, ihr Pauschalis! In ein paar Jahren wird der internationale Flughafen fertig sein, ein Investor will ein 2. Dubai hier aufbauen mit kuenstlichen Inseln etc. und der Highway dafuer ist schon gebaut.. Dann war's das mit Paradis, sagen auch die Einheimischen, wobei sie natuerlich auch auf gute Geschaefte hoffen.
Morgens und abends regnet es immer und die Locals meinen schon den Wind drehen gespuert zu haben, was den 1,5-monate-zu-fruehen Beginn der Regenzeit andeutet - Klimawandel ist ueberall. Wir leihen uns die 2 Tage, die wir hier sind, einen Roller aus und fahren durch die wunderschoenen Landschaften Suedlomboks (siehe Bilder -> besser als meine Beschreibungskuenste). An einem der Straende lernen wir eine Gruppe Indonesier kennen (Jungs aus Mataram, die hier zusammen abhaengen), fuer die wir mal wieder beliebtes Fotoobjekt sind und die uns zu einem Metal-Konzert in ein paar Tagen einladen. An einem anderen Strand trifft sich die halbe Jugend Suedlomboks und veranstaltet Motorradrennen ueber den glatten Sandstrand - ganz im Fast & Furious Stil (sehr beliebt hier in Indonesien und immer wieder in den TV's auf Booten, Bussen, etc zu sehen).
Bilder unter: http://www.getdropbox.com/gallery/198087/1/09-09%20Kuta%20%28Lombok%29?h=8369c0
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